Mein Morgen – jeden Tag, die nächsten drei Jahre?

Kommentare 29
Autofrei, Kritik, Leben mit Kindern

6:00 Uhr: Der erste Wecker klingelt. Ich schalte ihn aus, kuschel mich an das neben mir im Familienbett liegende Fleischbärchen und mache noch mal die Augen zu.

6:15 Uhr: Der zweite Wecker klingelt. Das Fleischbärchen räckelt sich und gähnt verschlafen. Wir schälen uns aus Bettdecke und Schlafsack. Der Kleine Ajan schnarcht weiter seelenruhig auf der anderen Seite des Bettes. Wir schleichen uns ins Bad.

6:40 Uhr: Ich gehe in die Küche und bereite für mich Kaffee und für uns alle ein schnelles Müslifrühstück vor, hole mein Mittagessen aus dem Kühlschrank und stelle es in einer Tragetasche schon mal an die Eingangstür neben meine Handtasche.

6:45 Uhr: Ich wecke den Kleinen Ajan und ziehe ihn an.

7:00 Uhr: Wir sitzen zu dritt am Frühstückstisch. Der Papa Pelz ist bereits seit einer Dreiviertelstunde auf der Arbeit.

7:20 Uhr: Ich räume den Tisch ab, ziehe die Kinder an, setze sie in den Fahrradanhänger, ziehe mich an, schnappe meine bereitgelegten Sachen.

7:40 Uhr: Wir düsen los zur Kita.

7:50 Uhr: Wir kommen an der Kita an. ich hole die Kids aus dem Wagen und der Spaß beginnt. Ziemlich genau seit der Kleine Ajan auch in die Kita geht, dürfen wir den Wagen nicht mehr in den Kinderwagenraum stellen. Ich muss den Anhänger umbauen, damit er unter die 50 Euro teure, extra für den Wagen gekaufte Regenhülle passt. Also Sicherheitswimpel abmontieren, zerlegen, im Wagen verstauen. Buggyschiebestange abmontieren, im Wagen verstauen. Mit Ach und Krach das Hüllenmonstrum richtig herum irgendwie alleine über den Hänger stülpen. Fluchen nicht vergessen, weil das Scheißding auf der einen Seite wieder hochrutscht, wenn ich es auf der anderen Seite herunterziehe. Endlich habe ich den Kampf gewonnen.
Ich schaue mich nach den Kindern um. Der Kleine Ajan hat in der Zwischenzeit die Kette, die das Regenwasser vom Vordach in eine kleine Sickerfläche ableitet, entdeckt und ordentlich herumgepatscht. Sein Overall ist klatschnass.

7:55 Uhr: Ich gehe mit beiden Kindern zur Gruppe des Kleinen Ajan und ziehe seinen nassen Anzug aus. Das Fleischbärchen hilft mir und holt schon mal seine Puschen und stellt die ebenfalls gut feuchten Straßenschuhe in das Fach. Ich räume noch seine Klamotten an den Garderobenhaken.

8:00 Uhr: Wir verabschieden den Kleinen Ajan an der Gruppentür. Anschließend gehen wir zu Fleischbärchens Gruppe und ich helfe ihr beim Ausziehen der Jacke und der Regenhose. Ich verabschiede sie an der Gruppentür.

8:05 Uhr: Ich hetze nach draußen, schwinge mich auf mein Rad und rase zum Bahnhof.

8:10 Uhr: Während ich mein Rad noch anschließe, fährt schon die S-Bahn ein. Die Türen öffnen sich. Ich renne und erwische sie gerade noch rechtzeitig. Nass geschwitzt und völlig aus der Puste lasse ich mich auf einen Sitz plumsen. Durchatmen. Puls runter.

2-IMG_2310

So weit der Idealfall, wenn der zeitliche Ablauf wie am Schnürchen klappt, kein Kind auf die letzte Minute noch mal auf den Topf muss, oder die Windel voll hat, einen Wutanfall bekommt, weil es nicht los möchte, oder, oder, oder… Nun wird sich vielleicht der/die ein_e oder andere fragen: „Wenn das so in Stress ausartet, warum fährt sie dann nicht früher los?“ Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Ich darf die Kids erst um frühesten 8 Uhr in die Gruppen bringen. Das heißt für mich, dass ich auch unbedingt den Hänger schon vor dem Betreten der Kita abstellen und unter der Plane verstauen muss. Wenn ich die Kinder abgeliefert habe, muss ich so schnell wie möglich los, um irgendwie noch die mir letztmögliche Bahn zu erreichen, um einigermaßen pünktlich auf der Arbeit zu sein und dann auch wieder rechtzeitig Feierabend machen zu können, um meine Bahn nach Hause zu erwischen.

Um die Kinder kümmert sich in der Zeit, in der ich den Anhänger umbaue… richtig, niemand! Mein Pech! Genauso wie ein Diebstahl des Hängers persönliches Pech wäre. Eine Möglichkeit, ihn irgendwo anzuschließen, gibt es nicht und der Wagen ist auf dem Geländer natürlich auch nicht versichert. Dass die Kinder nun nachmittags, wenn sie vom Papa abgeholt werden, auf dem Rückweg nicht mal mehr mit Papa einkaufen fahren wollen, weil der Hänger so kalt ist und sie darüber klagen, dass sie frieren – und das, obwohl sie Einkaufen eigentlich lieben – ist ebenfalls unser Pech. Dass durch das Sitzen im eiskalten Anhänger, den ich sogar schon mit einem Lammfell ausgestattet habe, die Kinder einem höheren Risiko ausgesetzt sind, krank zu werden: Pech!

Danke. Für nichts. *fluchend ab*

 

29 Kommentare

  1. Grrrrrrmpf, mich regt das mit dem Anhänger so auf! Besonders die Aussage, zwei einzelne Kinderwagen wären okay, der Anhänger nicht. Das kann doch so nicht sein. Ich glaube, die Kita Leitung hatte einen schlechten Tag und ist sich nicht bewusst, was das alles bedeutet.

  2. Wenn ich sowas höre, dann geht mir echt der Hut hoch…

    Meine Vermutung: die Kita/Kiga-Verantwortlichen haben keine Kinder oder deren Kinder sind schon seit 25-35 Jahren aus dem Haus.

    Ich bin so froh, dass wir in unserem KiGa solche Erlebnisse nicht hatten… es lebe das Dorf!

Kommentar verfassen