Drei Meter Liebe – Unser Familienbett

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DIY, Leben mit Kindern, Zuhause

Wenn man es genau nimmt, hatte ich dieses Wochenende eigentlich gar kein richtiges Wochenende. Doch die zwei Tage teils echt anstrengende Arbeit nehme ich liebend gerne in Kauf – dafür, dass wir in Zukunft trotz meines beruflichen Wiedereinstiegs mehr Familienzeit zusammen verbringen können. Seit heute haben wir ein drei Meter breites, “maßgeschneidertes” Familienbett.

Nähe. Das ist es, was mir in der vergangenen Woche am meisten gefehlt hat. Nähe zu meinen beiden Kindern, Nähe als gesamte Familie, Zeit zum Kuscheln. Wie ich euch ja bereits im letzten Blogpost über meine erste Arbeitswoche erzählt habe, komme ich jetzt vier Tage die Woche immer erst so spät abends nach Hause, dass ich die Kinder gar nicht mehr zu Gesicht bekomme. Die Idee, ein Familienbett zu bauen und das Fleischbärchen auch noch nachts zu uns ins Elternschlafzimmer zu holen (der Kleine Ajan schläft noch den Großteil der Nacht in unserem Bett), ist gar nicht so neu, war nun ob der neuen Situation aber aktueller denn je. Schon bei einem Besuch bei Freunden hatten wir das Glück, in einem riesigen Familienbett zu nächtigen – und es funktionierte prima! Nein, das wäre sogar noch untertrieben. Als wir wieder zuhause waren, hatte ich regelrechte Entzugserscheinungen. Ich vermisste meine “Große” sehr. Sie fehlte!

Im Laufe der letzten Woche stand dann ganz plötzlich mein Entschluss fest: ich will ein Familienbett bauen, bzw. eine Betterweiterung. Doch ganz so einfach ist das bei uns nicht, denn auf der in Frage kommenden Bettseite ist nicht weit entfernt auch ein zweitüriges Fenster, dass man natürlich trotz Bett noch zum Stoßlüften öffnen können sollte. Also skizzierte ich einfach mal drauf los. Nach dem drölfzigsten Entwurf hatte ich endlich einen konkreten Plan und rechnete zusammen, wieviel Holz wir dazu brauchen würden.

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Freitag fuhren wir mit dem Auto meiner Schwiegereltern zum nächsten Baumarkt (♥︎-lichen Dank an dieser Stelle noch einmal!). Die Rückfahrt war für mich sehr… nun ja… interessant. Aber auch, wenn es wirklich waghalsig aussah, die Ladung klemmte bombenfest und passgenau unter dem Dach. :-D Mit zwei Kindern auf der Rückbank, einem Fahrradanhänger im Kofferraum und vielen Brettern vorm… pardon… neben dem Kopf, ging es ab nach Hause. Es wartete viel Arbeit!

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Perfektionistin die ich bin, musste ich vor dem Loslegen aber noch einen weiteren Entwurf zeichnen, um die letzten Überlegungen in den schlussendlichen Plan einfließen zu lassen.

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Dann ging es los. Es kostet mich immer erst ein bisschen Überwindung, den ersten Sägeschnitt zu machen, aber die Freude über meine schon lange nicht mehr genutzte japanische Säge und meine japanischen Damszenerstahl-Stemmeisen *sabbert auf die Tastatur* ließ mich diese Aufregung schnell vergessen.

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Schwupps, lagen da auch schon die ersten Balken in der Ecke – allerdings noch komplett ohne Schraubverbindungen.

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Knapp drei Stunden – und eine Zwangspause durch den Mittagsschlaf des Kleinen Ajan – später, lagen bzw. standen noch mehr Balken an ihren provisorischen Plätzen.

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Und noch mehr Balken!

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Dann ging es aber endlich los. Ich begann, die Balken immer so zusammenschrauben, dass mit Hilfe von drei Schrauben, drei Balken miteinander verbunden wurden. Anfangs machte ich mich noch die Mühe, die Bohrlöcher anzuzeichnen. Das gab ich aber bald schon auf und vertraute auf mein Augenmaß.

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Die Technik, drei Balken miteinander zuverbinden, hatte ich mir zuvor bei unseren Kinderbetten abgeschaut.

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Am Abend stand schließlich zumindest schon einmal der unterste Teil der Unterkonstruktion. Nur den kompliziertesten Part, das Einpassen des schrägen Balkens, der Platz für das Fenster lassen sollte, hatte ich mir für den nächsten Tag aufgespart.

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Am nächsten Morgen legte ich nach dem Frühstück gleich damit los, die Schräge so mit dem Stemmeisen nachzuarbeiten, dass sie vom Winkel genau passte. Da es sich bei diesem Schnitt jedoch um Hirnholz handelt, die Jahresringe also quer durchtrennt wurden – bzw. in diesem Fall leicht schräg – ist die Bearbeitung ein wenig kniffelig. Da kam mir meine Geigenbauausbildung zugute. Damit man sich etwas leichter tut, befeuchtet man die Fläche einfach ordentlich mit Wasser. Dadurch wird das Holz mürber und lässt sich einfacher stechen. Bei einigermaßem hochwertigem Holz und scharfem Werkzeug geht das fast wie Butter.

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Mit Hilfe eines Winkels auf der einen Seite und einer weiteren langen Schraube an der anderen konnte ich schließlich den schrägen Balken befestigen. Saß, passte, wackelte und hatte Luft! ;-) Und damit war die komplette “untere Ebene” der Konstruktion fertig.

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Als nächstes musste ich die “obere Ebene” bauen, auf die später die Latten aufgeschraubt werden sollten, auf welcher schließlich die Matratze liegen würde. Puh, ganz schön kompliziert, das in Worte zu fassen. :-D Ich begann mit dem Balken an der Betthauptseite. Mit Hilfe einer hölzernen Klemmzwinge, die ihr weiter oben schon sehen konntet – ein Erbstück meines Opas väterlicherseits – befestigte ich ein Ende des Balkens in der entsprechenden Höhe an einem der beiden senkrechten Bettpfosten. Anschließend legte ich darauf eine Wasserwaage und richtete das andere Balkenende von Hand aus. Und dann: gut festhalten und losbohren! ;-)

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Tja, aber wie langweilig wäre ein Projekt doch ohne unvorhersehbare Schwierigkeiten. In meinem Fall fluchte ich mehrfach wegen unseres Billigakkuschraubers mit Billigakkus und v.a. aber ob der völlig windschiefen Balken. Das ging teils echt auf keine Kuhhaut mehr. Den Querbalken unten im Bild, der eigentlich mittig verlaufen sollte, ließ ich schließlich ganz weg. Nicht machbar, den irgendwie festzuschrauben! Im Bild rechts unten seht ihr das eine Ende. Das passte ziemlich gut, was allerdings zur Folge hatte, dass die andere Seite (in den anderen beiden Fotos zu sehen) ganz schräg an der Konstruktion anlag.

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Sowas kostet immer so unglaublich viel Zeit und v.a. Energie. Da saß ich also erst einmal und grübelte, bevor ich mich schließlich zu dieser etwas radikalen, aber letztendlich sehr zufriedenstellenden Lösung entschied. Zum Zusägen eines neuen Balkens hatte ich außerdem auch schlichtweg keinen Nerv mehr. ;-)

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Und dann stand endlich die gesamte Unterkonstruktion. Natürlich waren auch die darauf folgenden Arbeitsschritte nicht einfach so erledigt wie gedacht. Der zweite schräge Balken machte mir gehörig Ärger und schien sich regelrecht zu wehren, eingepasst zu werden. Aber ich gewann den K(r)ampf! Muahahaha… >:-D

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So richtig nach Bett sah das Ganze ja zugegebenermaßen noch nicht aus. Da fehlte was: ein Auflage für die Matratze. Da ein richtiger, flexibler Lattenrost in so einer extravaganten Form schwer bis nicht machbar ist, musste die spartanische Variante reichen: einfache, aufgeschraubte Latten, in diesem Fall Rauspunt mit Nut und Feder (die für diesen Zweck natürlich überflüssig waren). Sie waren die einzigen Latten in zwei Metern Llänge, die wir im Baumarkt fanden. Da das Bett genau einen Meter breit ist, war das eine perfekte Länge mit insgesamt nur etwa 50cm Verschnitt.

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Und während ich nach dem groben Zusägen, Schraublöcher vorbohren und Festschrauben schließlich die überstehenden Enden an der schrägen Seite absägte, sah ich plötzlich aus dem Augenwinkel, dass meine kleine Zuschauerin trotz (oder vielleicht sogar gerade wegen?) des dröhnenden Sägegeschräusches auf unserem Elternbett eingeschlafen war. ♥︎

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Fehlte “nur” noch ein Betthaupt, damit Kopfkissen, Kuscheltiere und Co. nicht in der Lücke zwischen Wand und Bett verschwinden. Fertig!

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So sah das Ganze im Überblick aus…

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… und so sieht es nun erst einmal mit der Matratze aus dem “alten” Kinderbett aus. In der kommenden Woche werden wir noch einen perfekt passenden Schaumstoffzuschnitt bestellen, damit die komplizierte, abgeschrägte Bettkonstruktion auch wirklich Sinn macht. Für die ersten Nächte reicht es aber vollkommen. Sogar die Höhe der Matratze passt zufällig perfekt. :-)

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Und ich werde nun erschöpft, aber sehr zufrieden in unser neues Familienbett fallen, glücklich an meinen Kindern schnuppern, ihrem Atem lauschen und den beiden ins Träumeland folgen. ;-)

Liebe Grüße,

Eure Anne

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  1. Hi Anne, ich bin gerade über Deinen Beitrag gestolpert und wollte ein Kompliment da lassen – sieht ganz toll aus, was Du da geschafft hast – da können sich einige Männer eine Scheibe von abschneiden!
    Ich wünsche euch ganz viel Freude damit ;)

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