Die Virzillus Chroniken

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Krankenbett, Leben mit Kindern

Was hatten wir diesen Winter doch bisher Glück gehabt. Abgesehen von einer Erkältungsepisode im Dezember, die uns zwar ausgerechnet im Hollandurlaub erwischte, aber nur kurz und nicht all zu heftig ausfiel, waren wir bisher von Krankheiten verschont worden. Nun hat es uns dafür gleich alle zusammen so richtig umgehauen. Selbst ich hatte über 40 Fieber und auch der Papa Pelz verfehlte diese „Marke“ mit 39,8 nur knapp.

Was für ein Virus wir uns da eingefangen haben, ist mir ein Rätsel. Seit meiner Kindheit hatte ich bisher nur ein einziges Mal wieder Fieber, nämlich im Oktober 2014, als das Fleischbärchen gerade seit einem guten Monat in die Kita ging. Als das Fieberthermometer auf seinen Höchststand von 38,6 stieg, fühlte ich mich bereits, als wenn ich bald sterben müsste. (Wie stecken Kinder das nur so locker weg?) Dieses Mal lag ich schlussendlich mit sage und schreibe 40,3 flach!

Sonntag, 10.1.

Den Anfang machte allerdings der Papa Pelz. Am späten Sonntag Nachmittag meinte er bereits, dass es ihm nicht gut ginge und er wohl am nächsten Morgen nicht zur Arbeit könne. Das wunderte mich sehr, denn als Rheumatiker ist er eigentlich einiges gewohnt. Doch schnell wurde klar, warum er sich so mies fühlte, denn seine Körpertemperatur stieg kontinuierlich. Hinzu kamen die üblichen Erkältungssymptome. Während ich noch an meinem Wochenende in Bildern bastelte, verabschiedete er sich früh mit Schnupfennase und brennende Augen in die Waagerechte, in der Hoffnung, dass Schlaf ein wenig Besserung bringen würde.

Montag, 11.1.

Am nächsten Morgen wachte er jedoch direkt mit Fieber auf. Also schleppte er sich erst einmal zum Hausarzt, der ihn bis Mittwoch erst einmal nur bis krank schrieb. Da er durch seine künstliche Herzklappe sofort ein Antibiotikum nehmen muss, war ja nicht mit Sekundärinfektionen zu rechnen, und mit Fieber ist so ein Virusinfekt doch oft schneller überstanden, als ohne. Denkste dir so! Am Abend machte dann schließlich auch das Fleischbärchen schlapp und bekam Fieber.

Dienstag, 12.1.

Auch am folgenden Morgen sank ihr Fieber nur leicht leicht und stieg am Tag schnell wieder bis über 40 Grad. Dabei ging es ihr richtig, richtig schlecht.

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Fiebersaft linderte die Beschwerden dann allerdings vom völlig apathischen Zustand direkt zu „Ich will toben!“. Und der Kleine Ajan wollte wohl nun auch mitmachen, allerdings nicht nur beim Toben, denn auch er hatte am Nachmittag schließlich erhöhte Temperatur, blieb aber immer noch mustergültig zwischen 38,5 und 39,0 und spielte etwas langsamer als sonst, aber zufrieden weiter und kam lediglich etwas öfter zum Kuscheln zum Papa Pelz oder mir. Als am Abend das Fieber beim Fleischbärchen allerdings dann wieder auf 40 Grad anstieg, war der Spaß vorbei. Ich zog mit meinem Bettzeug zu ihr ins Waldzimmer und wir verbrachten eine extrem unruhige, nahezu schlaflose Nacht mit normalerweise gar nicht mehr notwendigen Toilettengängen, vielen Tränen, einem leidenden Kind und einer mindestens ebenso leidenden Mama. Auch der Papa Pelz bekam kaum ein Auge zu, da der Kleine Alan immer wieder aufwachte und weinte. Doch ein Trost war wenigstens, dass er nicht so hoch fieberte.

Mittwoch, 13.1.

Völlig groggy starteten wir in den nächsten Tag. Doch ich konnte es mir nun gar nicht mehr leisten, auch noch krank zu werden. Ich war die einzige noch halbwegs fitte. Um meine Abwehrkräfte weiter auf Trab zu halten, nahm ich mir neben der Krankenversorgung unseren großen Asthaufen im Garten vor. Vielleicht bewahrte mich ja Bewegung an der frischen Luft vor Schlimmerem.

Donnerstag, 14.1.

Doch auch ich merkte nun immer deutlicher, dass der ganze Stress und besonders die schlaflosen Nächte gewaltig an meinem Immunsystem kratzten. Trotzdem wollte ich mich noch nicht so schnell geschlagen geben. Auch am nächsten Tag ging ich am Nachmittag wieder in den Garten. Ich schnitt, sägte und sortierte die Äste nach Größen und verarbeitete die noch verwertbaren Holzstücke zu Stangen oder Pfosten, um daraus später eine Totholzhecke anzulegen und ein Spieltipi für die Kinder zu bauen.

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Währenddessen versuchte der Rest der Familie drinnen, sich gesund zu schlafen. Als ich schließlich wieder ins Haus kam, fühlte ich mich wie erschlagen. Ich schob es auf die anstrengende Arbeit. Immerhin hatte ich ordentlich etwas geschafft und ich war hoch zufrieden mit meinem Tagwerk. Es folgte allerdings – ihr ahnt es – eine weitere sehr bescheidene Nacht.

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Freitag, 15.1.

Den nächsten Tag habe ich nur noch vage Erinnerungen. Was mir allerdings sehr gut im Gedächtnis blieb…

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Ich verließ die Couch nur für Toilettengänge. Der Papa Pelz war der einzige, der dank Media zumindest wieder fieberfrei war, aber auch er schleppte sich auf wackeligen Beinen durchs Haus, half, wo er nur konnte und machte Essen, während ich das Sofa hütete und der Kleine Ajan als Glühwürmchen vor sich einspielte. Das Fleischbärchen allerdings war endlich von morgens bis abends beim Zu Bett gehen wieder fieberfrei. Sie schien es überstanden zu haben. Doch mitten in der Nacht dann die bittere Enttäuschung: plötzlich wieder über 40 Grad Körpertemperatur!

Samstag 16.1.

Nach der nun schon vierten schrecklichen, schlaflosen Nacht in Folge, konnte es so nicht weiter gehen. Als das Fieber beim Fleischbärchen am Vormittag ohne Medikamente wieder sofort anstieg, beschlossen wir, mit ihr zum Arzt zu fahren. Was bin ich dankbar, dass ich meine Twittertimeline habe. Ich twitterte in die Welt hinaus:

Hilferuf

Und die Resonanz war trotz meiner nicht übermäßig großen Followerzahl und der zwangsläufig örtlichen Beschränkung auf den Raum Hamburg wirklich überraschend groß. 4118 Menschen sahen meinen Hilferuf und ganze 56 Mal wurde er von hilfsbereiten Twitterern weiterverbreitet, also „retweetet“. Ich bekam zahlreiche Antworten, die insgesamt immer wieder auf zwei Krankenhäuser verwiesen: Das Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg Rahlstedt und das Kinderkrankenhaus in Hamburg Altona. Wir entschieden uns aus dem Bauch heraus schließlich für Altona und riefen meine Schwiegereltern an, um zu fragen, ob wir uns ihr Auto leihen könnten, denn wir haben ja kein eigenes. Unterdessen spürte ich, dass mein Ohr nun weh tat, und ich kannte diesen Schmerz und dieses Druckgefühl dabei noch sehr genau – von der Mittelohrentzündung vor anderthalb Jahren.

Doch erst einmal war unsere Große wichtiger. Dieses Mal war das Glück auch endlich auf unserer Seite. Wir fuhren ohne Probleme zum Krankenhaus. Währenddessen konnte das erschöpfte Fleischbärchen sogar noch etwa 20 Minuten einigermaßen erholsam schlafen. Zwar war der Herr an der Rezeption etwas unfreundlich, denn er hatte ernsthaft den Nerv, in einem wirklich latent motzigen Tonfall nachzufragen, warum wir denn erst jetzt zum Arzt gegangen seien, wenn das Kind vor 5 Tagen zum ersten Mal Fieber gehabt hätte, denn das sei doch sicherlich dann auch schon unter der Woche absehbar gewesen. („Hallo, Rückfall!?!?“) Als wir dann aber uns gerade in den Wartebereich gesetzt hatten, wurden wir auch schon ins Behandlungszimmer gerufen, wo sich nach nicht einmal 10 Minuten eine hilfsbereite, freundliche Ärztin um unser auch zu diesem Zeitpunkt wirklich noch ganz apathische Tochter kümmerte und auf diese auch persönlich und behutsam ein ging. Die Diagnose stand schnell fest: Mittelohrentzündung. Nach den üblichen Fragen bekam das Fleischbärchen ein Antibiotikum plus noch einmal Fiebersaft und Nasentropfen verschrieben. Nach nicht einmal einer Stunde konnten wir das Krankenhaus wieder verlassen. Bevor wir nach Hause fuhren, dachten wir aber noch an einen Tipp, den ich sowohl über Twitter, als auch von der Kinderärztin im Krankenhaus bekommen hatte: die Notfallpraxis in der Stresemannstraße. Genau dort fuhren wir hin. Und was soll ich sagen, auch da war das Glück uns hold. Wieder hatte ich mich gerade ins Wartezimmer gesetzt, da wurde ich schon aufgerufen. Ergebnis: Ebenfalls  Mittelohrentzündung. Mit den Rezepten in der Hand brauchte ich nun nur nach nebenan in die Notfallapotheke gehen. Die ganze Aktion hatte nicht mal 10 Minuten gedauert!

Sonntag, 17.1.

Auch am nächsten Tag bereute ich die Entscheidung, dass wir mit dem Fleischbärchen ins Krankenhaus gefahren waren, zu keinem Augenblick. Selbst jetzt ging es ihr noch schlecht, und sie lag den Großteil des Vormittages auf der Couch, blickte apathisch vor sich hin, oder schlief. Sie tat mir sooo Leid. Da sie in den letzten Tagen die Angewohnheit hatte, in Phasen, in denen das Fieber besonders hoch war und es ihr am schlechtesten ging, jegliches Trinken lautstark und vehement zu verweigern, gaben wir ihr Fiebersaft.

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Währenddessen war draußen das herrlichste Winterwetter.

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Als der Fiebersaft schließlich zu wirken begann und sie sich auch ein wenig ausgeschlafen hatte, blühte sie endlich wieder etwas auf, trank und aß sogar auch wieder etwas. Das Berührendste an diesem Tag war für mich aber die Zuneigung der beiden Kinder untereinander. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie liebevoll die beiden miteinander umgingen. Mehrmals saß ich da, konnte das Glück in diesem „Unglück“ der letzten Tage gar nicht fassen – und die Freudentränen kullerten mir die Wangen herunter. Manchmal glaube ich tatsächlich, dass solche schwierigen Phasen nur dafür da sind, um sich endlich wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren.

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Nicht so schön war allerdings, dass auch der Kleine Ajan am Nachmittag wieder höheres Fieber bekam und es ihm auf einmal schlecht ging, was die letzten Tage ja sonst eigentlich nicht der Fall gewesen war. Also stellte ich unseren großen Fernsehsessel und unseren Kindersessel vor unser Terrassenfenster und wir beobachteten den ganzen Nachmittag über die Vögel draußen im Garten in unserem Asthaufen, wo ich ein paar Meisenfutterringe und -knödel aufgehängt hatte.

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Am Abend machte ich dem Fleischbärchen und mir vor dem Schlafengehen schließlich noch jeweils ein Zwiebelsäckchen zum Auflegen auf die kranken Ohren. Schon die Tage zuvor hatte ich immer aufgeschnittene Zwiebeln in unser und das Schlafzimmer der Kinder gelegt. Das ganze Haus stank zwar irgendwann nach Zwiebel (und stinkt immer noch :-D), aber es erleichterte ungemein das Atmen und linderte quälenden Reizhusten.

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Montag, 18.1.

Nach einer Woche voller Horrornächten war dies die erste, in der zumindest eine von uns endlich wieder einigermaßen erholsam schlafen konnte: das Fleischbärchen. Über Nacht schien die Wirkung des Antibiotikums eingesetzt zu haben. Dafür hatte der Kleine Ajan eine um so Schlimmere und der Papa Pelz und ich mit ihm. Also war klar: auch er musste nun zum Kinderarzt und ein Antibiotikum bekommen, was dann auch der Fall war. Das Fleischbärchen war, genau wie ich, den kompletten Tag endlich wieder fieberfrei und es ging uns beiden sichtlich besser. Nur der Papa Pelz schwächelte wieder und musste erneut zum Arzt, was allerdings bei dem Schlafmangel und der ganzen zusätzlichen Belastung durch die Kinder und mich auch kein Wunder war. Es war wirklich wie verhext.

Dienstag, 19.1.

Und dann war sie endlich da: die erste wirklich passable Nacht für alle seit Krankheitsbeginn. Auch der Tag verlief so, dass wir zum ersten Mal das Gefühl hatten, dass wir in naher Zukunft alle wieder fit sein werden.

Wie habt ihr bisher den Winter so gesundheitlich überstanden? Ist bei euch auch die große Epidemie ausgebrochen, oder trotzt ihr tapfer jeder Vire und jedem Bazillus?

Liebe Grüße,

Eure Anne

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