Herbstspaziergang im Naturschutzgebiet

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Zuhause

Wie gestern bereits versprochen, bekommt ihr heute die volle Ladung Herbstzauber hier geboten, denn ich war auf Bilderjagd im Naturschutzgebiet, das bei uns fast direkt hinter unserem Grundstück beginnt und herrliche Möglichkeiten zum Spazierengehen und Natur entdecken bietet.

 

Es war ein außergewöhnlich sonniger, warmer Tag. Der goldene Oktober hatte sich in den November hinübergerettet, und der Herbst gab noch mal alles, was er an Farben und morbider Schönheit so zu bieten hat.

02-WIB KW 442

Herbst

Zu Golde ward die Welt;
zu lange traf
der Sonne süßer Strahl
das Blatt, den Zweig.
Nun neig
dich, Welt, hinab

Bald sinkt’s von droben dir
in flockigen Geweben
verschleiernd zu –
und bringt dir Ruh,
o Welt,
o dir, zu Gold geliebtes Leben,
Ruh.

Christian Morgenstern (1871-1914)

03-WIB KW 443

In der Luft lag ein zauberhaft anmutender Hauch von nebeligem Dunst, der das Sonnenlicht ganz weich und sanft werden ließ. Auch die Kühe genossen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Außerdem entdeckte ich auch einige wilde Tiere: Krähen, Tauben, einen Fischreiher, einen Eichelhäher und ein Blaumeisenpärchen.

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Die Meise

Auguste, wie fast jede Nichte,
weiss wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache,
ist für den Onkel Ehrensache.
„Auguste“, sprach er, „glaub es mir,
die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
auch ist sie schwarz, weiss, gelb und blau.
Hell flötet sie und klettert munter
am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härtste Korn verschmäht sie nicht,
sie hämmert, bis die Schale bricht.
Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand
ein Löchlein in den Unterrand,
weil dann die Sämerei gelind
von selbst in ihren Schnabel rinnt.
Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
wo fette Käferlarven sitzen,
und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden;
und hieran siehst du ausserdem,
wie weise das Natursystem.

Wilhelm Busch (1832-1908)

04-WIB KW 445

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05-WIB KW 446

Herbst

Der du die Wälder färbst,
Sonniger, milder Herbst,
Schöner als Rosenblüh’n
Dünkt mir dein sanftes Glüh’n.

Nimmermehr Sturm und Drang,
Nimmermehr Sehnsuchtsklang;
Leise nur atmest du
Tiefer Erfüllung Ruh‘.

Aber vernehmbar auch
Klaget ein scheuer Hauch,
Der durch die Blätter weht:
Dass es zu Ende geht.

Ferdinand von Saar (1833 – 1906)

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Ich liebe diese Lichtung mit der hohen Baumgruppe auf dem Foto oben. Wie der Blick vom Weg aus von den Ästen der Erlen umrahmt wird – das ist einfach so wunderschön, und ich weiß wieder ganz genau, weshalb wir hier hingezogen sind. Wenn man Glück hat, sieht man hier sogar manchmal auch Rehe.

06-WIB KW 447

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Waldweg

Durch einen Nachbarsgarten ging der Weg,
Wo blaue Schlehn im tiefen Grase standen;
Dann durch die Hecke über schmalen Steg
Auf eine Wiese, die an allen Randen
Ein hoher Zaun vielfarb’gen Laubs umzog;
Buscheichen unter wilden Rosenbüschen,
Um die sich frei die Geißblattranke bog,
Brombeergewirr und Hülsendorn dazwischen;
Vorbei an Farrenkräutern wob der Eppich
Entlang des Walles seinen dunklen Teppich.
Und vorwärtsschreitend störte bald mein Tritt
Die Biene auf, die um die Distel schwärmte,
Bald hörte ich, wie durch die Gräser glitt
Die Schlange, die am Sonnenstrahl sich wärmte.
Sonst war es kirchenstill in alle Weite,
Kein Vogel hörbar; nur an meiner Seite
Sprang schnaufend ab und zu des Oheims Hund;
Denn nicht allein wär ich um solche Zeit
Gegangen zum entlegnen Waldesgrund;
Mir graute vor der Mittagseinsamkeit. –
Heiß war die Luft, und alle Winde schliefen;
Und vor mir lag ein sonnig offner Raum,
Wo quer hindurch schutzlos die Steige liefen.
Wohl hatt ich’s sauer und ertrug es kaum;
Doch rascher schreitend überwand ich’s bald.
Dann war ein Bach, ein Wall zu überspringen;
Dann noch ein Steg, und vor mir lag der Wald,
In dem schon herbstlich rot die Blätter hingen.
Und drüberher, hoch in der blauen Luft,
Stand beutesüchtig ein gewalt’ger Weih,
Die Flügel schlagend durch den Sonnenduft;
Tief aus der Holzung scholl des Hähers Schrei.
Herbstblätterduft und Tannenharzgeruch
Quoll mir entgegen schon auf meinem Wege,
Und dort im Walle schimmerte der Bruch,
Durch den ich meinen Pfad nahm ins Gehege.
Schon streckten dort gleich Säulen der Kapelle
Ans Laubgewölb die Tannenstämme sich;
Dann war’s erreicht, und wie an Kirchenschwelle
Umschauerte die Schattenkühle mich.

Theodor Storm (1817-1888)

07-WIB KW 448

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Herbstlich sonnige Tage
Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.
O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh’!
Jede schmerzende Wunde

schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.

Jedem leisen Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.
Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist’s dem Schauenden nur.
Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze
Weltgeheimnis verhüllt.
Emanuel Geibel (1815-84)

08-WIB KW 449

Wie ihr vermutlich unschwer erkennen könnt, ich liebe den Herbst sehr, und ich versuche gerade möglichst viel von ihm einzufangen und all diese bunten Farben, den letzten Blumenduft der sich schon mit einem Hauch von welkendem, modernden Laub mischt, festzuhalten und in Gedanken für den hier in Hamburg oft sehr trotzlosen, grauen Winter zu bevorraten. Was ist eigentlich eure liebste Jahreszeit? Erzählt mir doch davon und hinterlasst mir einen Kommentar.

Liebe Grüße,

Eure Anne

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