Das kann ich schon – Mein U31-Check-up

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Blogparade, Kritik, Leben mit Kindern, Zeit für mich

Schon vor einem Monat hat Jette vom Blog „Me Super Mom“ zu einer Blogparade aufgerufen, bei der ich mich nun in letzter Minute noch entschlossen habe, mitzumachen. Sie schrieb in ihrem sehr amüsanten Beitrag, dass es doch irgendwie ungerecht sei, dass die Fortschritte unserer Babys und Kinder zum Besten gegeben, die eigenen Veränderungen und Erfolge aber kaum in unseren Blogs thematisiert und meist unter den Tisch fallen würden. Recht hat sie, wie ich finde! Hier ist das Ergebnis meiner persönlichen, selbstverordneten Vorsorgeuntersuchung U31!

Beginnen wir mit meiner körperlichen Entwicklung. Dass ich mittlerweile alle Zähne habe und auf eine beachtenswerte Größe von 1,81m herangewachsen bin, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Nur am Gewicht hapert es bei mir. Was andere zu viel auf den Hüften haben, ist bei mir Mangelware. Ich krebse ständig am Untergewicht herum. Meine Fitness kann sich zur Zeit durchaus sehen lassen, da wir kein Auto haben und ich alles mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledige und das häufige Tragen der Kinder die Drückbank ersetzt. Nein, ich brauche definitiv kein Fitnessstudio. Ein wenig mehr Gelenkigkeit hingegen würde mir nicht schaden. Auch sollte ich dringend einmal wieder den Verspannungen im Nackenbereich etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und meinem Körper regelmäßiges etwas Gutes, wie eine Massage oder Yoga gönnen. Die hätte er sich nach der Leistung von zwei Schwangerschaften und Geburten, wovon die erste eher schwierig und die zweite wie im Bilderbuch verlief, auch ganz besonders verdient. Mit der zweiten Schwangerschaft hat mein Körper sogar die Fähigkeit gewonnen, „eins mit dem Geist zu werden“ und sich so tief zu entspannen, dass die Geburt ohne Schmerzen verlief. Außerdem habe ich insgesamt 21 Monate meines Lebens meine Kinder mit selbst „produzierter“ Muttermilch versorgt. Wenn das nicht 10 von 10 Punkten verdient, dann weiß ich auch nicht.

Die geistig/kognitiven Fähigkeiten sind in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen, aber noch gerade so in der Norm, denn ich gebe täglich mein Bestes zwischen Windelwechseln, Kinderbücher vorlesen und Bauklötze bauen, auch noch etwas für meinen Intellekt zu tun, meinen Denkhorizont zu erweitern und nicht geistig einzurosten. Ich habe nach langer Zeit wieder angefangen, Bücher zu lesen, und zwar nicht irgendwelche, sondern die, die mich zum Nachdenken bringen und mein Innerstes aufrütteln und bewegen. Nur das mathematisch-logische Denken ist und bleibt meine Schwachstelle. Ich werde wohl niemals einen Physik-Nobelpreis gewinnen, aber glücklicherweise habe ich diese Ambitionen schon lange über Bord geworfen.

Kommen wir zu meinen fein- und grobmotorischen Fähigkeiten. Diese sind bei mir vermutlich überdurchschnittlich gut entwickelt. Nicht umsonst habe ich dreieinhalb Jahre lang den Beruf der Geigenbauerin erlernt und übe mich in meiner Freizeit hauptsächlich in handarbeitlichen Tätigkeiten wie Nähen, Stricken oder Häkeln, aber auch dem Geigenspiel, was zudem ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, Konzentration (zwei weitere noch nicht erwähnte geistig/kognitiive Fähigkeiten) und hervorragende Hand-Augen-Koordination (eine weitere, einwandfrei funktionierende körperliche Fähigkeit) erfordert. Auch mit dem Spaten oder der Grabegabel kann ich bei der Gartenarbeit einwandfrei umgehen. Mein Gleichgewichtsinn ist ebenfalls, vermutlich auch durch das schon erwähnte gute Radfahrtraining, zahlreiche Spielplatzbesuche und dem täglichem Balanceakt zwischen auf dem Boden liegenden Legosteinen, Büchern und Kuscheltieren, noch einwandfrei in Schuss.

Die sprachlichen Fähigkeiten sind besonders morgens gelegentlich beeinträchtigt, bedingt durch chronischen Schlafmangel. Dies reguliert sich meist nach der Einnahme einer oder zwei ordentlicher Tassen Kaffee. Am späten Abend ist mein Sprachzentrum dann aber schließlich wieder voll einsatzbereit und gibt beim Bloggen teils bis spät in die Nacht alles, was es an Fähigkeiten vorzuweisen hat. Diese sind altersgerecht entwickelt. Lediglich im Gebrauch von Schachtelsätzen könnte ich noch etwas zurückhaltender sein.

Sinneswahrnehmung:

Sehen: Dieser Sinn hat sich bei mir weiterhin verbessert. Ich habe einen scharfen Blick für Details, was jedoch manchmal auch von Nachteil ist, wenn der Blick für das Wesentliche gefragt ist, und die Gefahr besteht, sich zu verzetteln. Doch das gleicht sich oft durch die gut entwickelte Fähigkeit, anderer Menschen ins Herzen sehen zu können und mit ihnen auf Augenhöhe zu interagieren, wieder aus.

Hören: Trotz meines nicht mehr jugendlichen Alters, habe ich mir die Fähigkeit bewahrt, feinste emotionale Zwischentöne zu Erfassen. Manchmal habe ich allerdings noch Probleme mit der Wahrnehmung eines ironischen Untertons.

Fühlen: Besonders lobenswert zu erwähnen ist hier zu Beginn gleich mein außergewöhnlich gut entwickeltes Bauchgefühl, dass mich fast nie im Stich lässt. Allerdings sei hier zum zuvor genanntem Punkt noch hinzugefügt, dass das Hören auf dieses Bauchgefühl doch manchmal durch äußere Reize und Einflüsse stark in Mitleidenschaft gezogen wird und unbedingter Behandlung bedarf. Um das Bauchgefühl zu stärken, ist die selbstverordnete Therapie deshalb, manchmal einfach die Ohren auf Durchzug zu schalten, was sich zudem positiv auf meine neuronales System auswirken kann.

Riechen: Nach zwischenzeitlichen Störungen in der Schwangerschaft ist hier nun wieder eine normgerechte Funktion zu verzeichnen.

Schmecken: Mein Geschmack hat sich teils besorgniserregend entgegen sonst gesellschaftlich weit verbreiteter und massentauglicher Normen geändert. So sollte ich dringend die odrnungsgemäße Entwicklung meines Rosa-Blau-Geschmacks noch einmal bei einem gesonderten Check-up überprüfen lassen, denn dabei könnte es sich um ein ernstzunehmendes Symptom des gefürchteten Gleichberechtigungsyndroms handeln. Diesem Verdacht ist besonders deshalb nachzugehen, weil von mir auch die Auf- und Annahme von jeglicher anderer gendertypisierter Geistesnahrung verweigert wird. Auch im Bereich Erziehung, wo sonst der Standard „liebevoll-konsequent“ auf Basis eines Belohnungssystems einer zeitgemäßen Entwicklung entspräche, habe ich noch einiges aufzuholen. Die auf Gleichwürdigkeit beruhende, bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung, durch welche unsere Kinder bereits infiziert und mit gesellschaftskritischem Material kontaminiert wurden, könnte ansonsten zu schwerwiegenden Folgen in familiärer wie gesellschaftlicher Hinsicht führen und sich viral in meinem Umfeld verbreiten. Symptome wie Eigenständigkeit, empathischer Umgang und sozial- und selbstverantwortliches  Handeln können auftreten. In diesem Falle ist eine sofortige Einnahme von klischeegesättigten Regenbogenpresseinhalten angezeigt. Eine zusätzliche tägliche Gabe (möglichst vor dem Zubettgehen) von visuell einzunehmenden Telenovelas oder Unterhaltungsshows kann diese Therapie unterstützend begleiten. Sollte sich keine Besserung zeigen, ist die letzte Option eine populistisch-radioaktive Strahlentherapie mit Bildzeitungs- oder Mopo-Meldungen.

Die besten Fortschritte habe ich im emotionalen und sozialen Bereich zu verzeichnen. Seit der Geburt meiner Kinder bin ich deutlich konfliktfähiger, lösungsorientierter und geduldiger im Umgang mit meinen Mitmenschen geworden. Ich habe meine bereits vorher schon sehr gut ausgeprägte Fähigkeit, mich in andere hineinzuversetzen, ihre Gefühle wahrzunehmen, zu deuten und zu achten, weiter ausgebaut und übe mich täglich darin, sie weiter zu verbessern. Die Entwicklung meines Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins, ist ebenfalls auf einem guten Weg, hat aber auf Grund jahrelanger Vernachlässigung noch etwas Aufholbedarf, was aber bei weiterhin so positiver Entwicklung langfristig kein gravierendes Problem darstellen sollte. Kritischer sieht es mit der Eigenschaft aus, Kritik zu schnell zu persönlich zu nehmen und in eine Verteidigungshaltung zu verfallen. Die Arbeit daran steht glücklicherweise auf meiner Prioritätenliste schon seit Jahren ganz weit oben.


Warnhinweis: Dieser Beitag kann an einigen Stellen Spuren von Ironie und Gesellschaftskritik enthalten. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie bitte ihre freie Presse oder – falls vorhanden – ihren gesunden Menschenverstand.


 

 

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