#Gartengeschichten: Stacheliger Babybesuch – mit Video und Tipps zur Igelhilfe im Herbst

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Nachhaltig leben, Zuhause

Gestern haben der Kleine Ajan und ich etwas ganz Außergewöhnliches erlebt. Ein noch ganz kleiner Babyigel lief plötzlich am frühen Nachmittag bei uns über die Wiese in unserem Garten. So ein kleiner Igel nach den ersten Nachtfrösten am hellichten Tag unterwegs? Was sollte ich tun? Kann man irgendwie helfen? Ist Hilfe in so einem Fall überhaupt notwendig, oder vielleicht gar schädlich?

Ich war gerade in ein Telefonat mit meinen Eltern vertieft und schaute nur zufällig über die Terrasse in den Garten. Da sah ich plötzlich eine kleine Stachelkugel durch das Gras krabbeln: ein kleiner Babyigel.

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Ich erzählte natürlich gleich meinen Eltern davon, was ich gerade beobachtete. Sie gaben mir den Tipp, doch lieber einmal bei der nächsten Wildtierauffangstation nachfragen, ob dieses nicht einmal 18cm lange, nicht gerade wohlgenährte, aber augenscheinlich wenigstens unversehrte Tier womöglich Hilfe brauchte, um über den bevorstehenden Winter zu kommen. Da der kleine Kerl gerade auf dem besten Weg war, in der Rosenhecke zu verschwinden, machte ich das einzige, was mir in dem Moment einfiel: Jacke und Schuhe an, schnell raus, und die nun verängstigte kleine Kugel mit dicken Gartenhandschuhen behutsam in einen direkt auf der Wiese stehenden Eimer setzen, damit er erst einmal nicht weglaufen kann. Dann musste alles ratz fatz gehen. Ich rief bei besagter Wildauffangstation an. Die teilten mir mit, dass ich nichts weiter tun könne, als dem Igel Katzenfutter anzubieten. Ich also schnell: Nachbarin anrufen und zum Glück sofort jemanden erreicht, rüberflitzen, Katzenfutter abholen (ganz ♥lichen Dank dafür!), in ein Schälchen geben, auf die Wiese stellen, den Eimer vorsichtig auf die Seite gekippt daneben stellen, wieder ab ins Haus und beobachten.

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Ein Minütchen blieb der vermutlich ganz schreckliche Angst habende kleine Igel noch zusammengerollt sitzen. Dann kam so langsam wieder Leben in die Stachelkugel. Ein kleines schwarzes, glänzendes Näschen schob sich hervor und schnupperte aufgeregt. Was roch hier denn so verführerisch und wo kam der Duft her? Zunächst suchte er den Eimer ab. Doch dann merkte er schnell, dass der Duft aus der anderen Richtung kam und er wagte sich vorsichtig und unaufhörlich schnuppernd aus seinem Versteck.

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Als er das Schälchen schließlich fand, stürzte er sich förmlich darauf und fing sofort an, hungrig und laut schmatzend zu fressen.

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Inzwischen hatte ich auch wieder meine Eltern zurückgerufen. Sie rieten mir noch, ein Schälchen mit Wasser dazuzustellen, doch da das Igelbaby nun schon wahrlich genug Aufregung für heute hatte, wollte ich ihn nicht noch einmal und dann auch noch beim für den kommenden Winter so wichtigen Fressen stören. Zum Glück war das Futter sehr „soßig“. Außerdem wohnen wir ja auch direkt angrenzend an einen kleinen Bach, und geregnet hatte es auch erst vor ein paar Tagen.

Ich beobachtete ihn noch eine ganze Weile vom Wohnzimmerfenster aus. Dann ging ich noch einmal hinaus, hielt aber respektvollen Abstand, sodass er immer noch in Ruhe weiterfraß. Mit seinen kleinen schwarzen Knopfäuglein hatte er mich dennoch aufmerksam im Blick, ließ sich durch mein Fotografieren und schließlich auch Filmen jedoch nicht stören.

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Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe auch noch ein ganz kleines, aber feiner Filmchen von unserem Besucher. Bitteschön! :-)

Schließlich ging ich wieder ins Haus und wartete noch an der Terrassentür, bis er seine Mahlzeit beendet hatte und sich, noch ein paar Kreise im Gras vor der Terrasse ziehend, von dannen schlich.

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Natürlich hatte er nicht alles aufgefressen. Eigentlich war die Menge sogar nur verschwindend gering. Das hätte ich mir aber bei so einem kleinen Tier und einem dementsprechend kleinen Magen auch vorher denken können. Na ja, egal. Beim nächsten Mal werde ich nur einen Teil der Futterpackung in ein Schälchen geben. Und auf ein nächstes Mal hoffe ich sehr! Wer kann schon diesem Zuckerschnäuzchen widerstehen. ;-) ♥

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Solltet ihr ebenfalls einen hilfebedürftig aussehenden Igel jetzt im Herbst finden, hier meine Tipps:

  • Erst einmal so wenig Kontakt wie möglich. Stress für das Tier unbedingt vermeiden.
  • Nicht mit ins Haus nehmen!
  • Nicht mit bloßen Händen anfassen. Wenn Kontakt nötig ist: Handschuhe tragen, da die Tiere – mal abgesehen von den Stacheln ;-) – oft Flöhe haben!
  • Bitte auf gar keinen Fall Milch, Hundefutter oder Speisereste füttern!!! Damit schadet ihr den Tieren. Nur Katzenfutter und Wasser.
  • Im Zweifel (z.B. wenn ein Tier verletzt zu sein scheint) bei einer Tierauffangstation anrufen und nicht eigenmächtig handeln. Verletzte Tiere brauchen unbedingt Hilfe von einem Experten.

Weitere wichtige und wertvolle Tipps und Infos im Umgang findet ihr z.B. hier auf der Hompage des NABU. Das Durchlesen empfiehlt sich besonders präventiv, denn wenn man so wie ich, plötzlich in der Situation ist, und so ein Tier findet, weiß man erst einmal nicht, was zu tun ist. Im Nachhinein hätte ich mir das Einfangen und dem Igel den damit verbundenen Stress auch ersparen können. Von nun an habe ich im Herbst immer ein paar Packungen Katzenfutter auf Vorrat zuhause. ;-)

Habt ihr schon einmal einen so kleinen Igel zu dieser Jahreszeit am hellichten Tag gesehen? Habt ihr noch weitere Tipps oder einen ganz persönlichen Erfahrungsbericht dazu? Lasst sie mich wissen und hinterlasst mir und anderen Lesern dieses Blogs einen Kommentar oder schickt mir auch gerne über das Kontaktformular eine Email. Igel sind wirklich ausgesprochen nützliche Tiere, die leider oft von Autos erfasst werden. Deshalb ist jeder Igel, der über den Winter kommt ein Erfolg und ein toller Beitrag für unsere Umwelt. Igelschutz geht uns alle an.

Liebe Grüße,

Eure Anne

Hinweis: Dieser Beitrag wurde nicht in bezahlter oder in irgendeiner Weise materiell entschädigter Kooperation mit dem NABU oder einer anderen Tierschutzorganisation geschrieben. Ich habe ganz privat den Link hinterlegt, da ich den Artikel für gut geschrieben und wertvoll halte und hiermit kostenlos auch die dahinter steckende Arbeit unterstützen möchte. Für die Richtigkeit und den Inhalt der verlinkten Informationen und der dazugehörigen Website übernehme ich jedoch keine Verantwortung.

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