Mittwochs mag ich… Blumenkinder für den Jahreszeitentisch

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Blumenkinder, DIY, Leben mit Kindern, Mittwochs mag ich

Herbstzeit, Handarbeitszeit. Für mich gibt es im Moment nichts Schöneres, als bei diesem nasskaltem Regenwetter im gemütlich warmen Wohnzimmer am großen Esstisch zu sitzen und zu „basteln“. Meine neueste Leidenschaft mit ganz, ganz schlimmem Suchtpotential: Blumenkinder – kleine Püppchen nach Waldorfart aus Filz und Wolle.

Schon lange Zeit habe ich damit geliebäugelt, mal etwas aus Märchenwolle, Filz oder ähnlichem zu machen. Die Möglichkeiten sind da ja schier unerschöpflich. Allerdings habe ich mich immer ein wenig vor den relativ hohen Anschaffungskosten gescheut. Dann habe ich in Fleischbärchens Kindergarten das Buch „Blumenkinder für den Jahreszeitentisch“ von Sybille Adolphi (Verlag Freies Geistesleben) in der Elternbibliothek entdeckt und ausgeliehen. Die Idee war geboren, und da wir vergangene Woche sowieso in den Nachbarort fahren mussten und da zufällig am einzigen Bastelladen hier weit und breit vorbeikamen, sollte es wohl einfach so sein. ;-D

Die „Zutaten“

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  • dünner, weicher Filz in verschiedenen, je nach Jahreszeit
  • Schweizer Trikotstoff für den Kopf (das ist ein ganz besonders elastischer, weicher hautfarbener Jerseystoff)
  • reißfestes Garn (z.B. Leinenzwirn)
  • Nähgarn (normales in versch. zum Filz passenden Farben oder/und transparentes Nähgarn)
  • Pfeifenputzer
  • aus der Apotheke: Schlauchverband; Größe Nr. 2 für Blumenkinder, Größe Nr. 1 für Babies/Wichtelchen
  • Füllwatte, aus reine, ungekämmter Schurwolle
  • Märchenwolle, gekämmt (Ich habe die besonders weiche Merinowolle gewählt.)
  • Stickgarn (blau und/oder braun und/oder grün für die Augen, rosa/rot für die Lippen)
  • rote Wachsmalkreide (als „Rouge“ für die Wangen)
  • einen dünnen braunen Filzschreiber (zum Aufmalen von Sommersprossen)
  • Nähnadel
  • Stecknadeln
  • Stoffschere oder eine scharfe Haushaltsschere
  • eventuell ein Fingerhut
  • optional: Flechten für Bart und Haare, wenn man Wurzelzwerge basteln möchte

Unser Lampionblumenkind

Ihr seht schon, die Liste ist nicht ohne, allerdings hat man mit dieser „Grundausstattung“ auch schon sehr viele Möglichkeiten. Am meisten „Geschieß“ war es allerdings, den Schlauchverband zu organisieren. Den hatte nämlich keine Apotheke hier in der richtigen Größe vorrätig. Aber dann konnte es endlich los gehen. Falls ihr noch nicht über Twitter, Facebook oder Pinterest das Vergnügen hattet, darf ich euch vorstellen, das…

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Mein allererster Versuch und definitiv gleich ein Unikat, und das liegt nicht nur daran, weil ich Kleid und Frisur selbst „entworfen“ habe, sondern auch, weil ich beim Herstellen von Kopf und Körper noch ziemlich herumgemurkst habe. Was ihr im Folgenden seht, ist also nicht gerade nach dem Lehrbuch. Es soll aber gar nicht als DIY-Anleitung dienen (dafür wäre es auch viel zu wenig detailiert), sondern euch nur zeigen, wie und was ich mir da so zurecht gefriemelt habe, und dass auch für mich als gelernte Handwerkerin und „Bastelfee“ aller Anfang schwer ist.

Die ersten Arbeitsschritte habe ich leider gar nicht fotografiert. Das Innenleben des Kopfes besteht nämlich zunächst aus einer festen, aus Wolle gerollten Kugel, die in ein Wollkreuz gelegt und „am Hals“ zusammengebunden wird. Anschließend wird ein an einem Ende zugenähtes Stück Schlauchbinde darübergestülpt und wieder am Hals zusammengebunden. Danach wird die Augenlinie mit dem festen Zwirn abgebunden und Hinterkopf und (wenn gewünscht) eine Nase geformt. Anleitungen dazu findet ihr zu Hauf im Internet. Was die Gestaltung des Körpers betrifft, bin ich aus dem oben genannten Buch nicht ganz schlau geworden und habe einfach „freestylemäßig“ mir etwas zusammengebastelt. Sieht nicht schön aus, aber schön sieht auch die Variante nach dem Lehrbuch nicht aus. ;-)Es kommt ja sowieso später Kleidung darüber und man sieht davon nichts mehr.

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Nachdem sozusagen das Skelett des kleinen Puppenkörper endlich fertig war, was locker einen kompletten Abend bis nach Mitternacht gedauert hat, konnte ich mich endlich dem Part widmen, auf den ich mich schon gefreut hatte: Puppenkleidung nähen, und zwar so, dass der ganz individuelle Charakter der Figuren damit ausgedrückt wird.

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Die ganze äußere Erscheinung sollte zeigen, welche Blume bzw. Pflanze hier versinnbildlicht wird. Doch wozu eigentlich?

Was ist eigentlich ein Jahrezeitentisch?

Die Püppchen sind allesamt für den sogenannten Jahreszeitentisch bestimmt, der in der typischen Waldorftradition ein fester Bestandteil des Kita- bzw. Schulalltags im Jahresverlauf ist. Es handelt sich dabei um einen ruhigen, aber zentralen Ort in einem zentralen Raum mit entweder einem kleinen extra Tisch, einem festen Platz auf einem großeren Tisch (so wie bei uns), einer Kommode oder ein Regal. Mit Hilfe von farblich zur Jahreszeit passenden Spieltüchern aus Seide, Wolle oder Baumwolle, mit auf Spaziergängen gesammelten Naturmaterialien (im Herbst jetzt Kastanien, Eicheln, Hagebutten etc.) Tierfiguren und mit den Blumenkindern werden die natürlichen Vorgänge des Jahreszeitenwechsels in der Natur nachgestellt. Wenn im Frühjahr die Krokusse ihre Blütenköpfchen aus dem Boden recken, erscheinen auf dem Jahrezeitentisch auch die Krokusblumenkinder. Sind sie draußen verblüht, verschwinden sie auch auf drinnen und neue Blumenkinder wie Narzissen und Tulpen erscheinen. Im Winter, wenn sich alles in die Erde zurückzieht, werden die Blumenkinder durch Wurzelkinder ersetzt, die gut behütet durch „Mutter Erde“ – versinnbildlicht durch eine weibliche Figur im erdfarbener, langen Kleid – den Winter in ihrer Erdhöhle verschlafen, bis sie im Frühjahr wieder geweckt werden und als Blumenkinder zurückkommen. Jetzt im Herbst liegt der Fokus natürlich weniger auf den Blumen und Blüten, als vielmehr auf den vielen Früchten und Nüssen, welche die Natur so für den kommenden Winter bereithält. Auch das lässt sich sehr schön in Puppengestalt nachahmen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Man braucht nur ein wenig Kreativität, eine gute Beobachtungsgabe und Aufmerksamkeit für die kleinen, täglichen Veränderungen am Wegesrand.

Das Ergebnis

Doch wie ging es eigentlich weiter mit dem Lampionblumenmädchen? Nachdem ich die Kleidung fertig genäht hatte, machte ich leider zunächst den Fehler, ihr bereits vor dem Gesicht eine Frisur zu verpassen, wodurch ich beim Sticken sehr aufpassen musste, dass ich die empfindlichen Märchenwollhaare nicht wieder zerzause. Aber man lernt ja bekanntlich aus Fehlern. ;-) Und schließlich habe ich es doch noch hinbekommen, dem Mädchen ein Gesicht zu sticken.

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Ich habe (ganz waldorfmäßig) bewusst einen neutralen Gesichtsausdruck gewählt. Auch, wenn die Kinder (noch) nicht damit spielen können, so sollen sie sich doch selbst in ihrer Fantasie ausmalen können, ob die Figuren gerade fröhlich, traurig oder wütend usw. sind. Mich erstaunt es immer wieder, wie oft das Fleischbärchen mit ihren nicht einmal ganz 3 Jahren schon Gefühle von Personen oder Tieren auf Fotos interpretiert, ja, wie sie geradezu nach Interpretationsmöglichkeiten giert. Ein Klassiker: Autoscheinwerfer/Kühlergrill-Kombis sind da sehr beliebt. Und heute sah sie z.B. in unserer Wochenzeitung ein Pferd, das eine Kutsche zog. „Das Fead guckt traurig. Das weint, weil der Mann so [an den Zügeln] zieht. Das tut dem Fead weh!“ Unser Lampionblumenmädchen muss zum Glück keine Kutsche ziehen, sondern trägt nur die von Nachbars aus dem Garten geschenkt bekomme Lampionblüte als Laterne. ;-) An dieser Stelle auch noch einmal herzlichen Dank für die kleine Spende! ♥

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Mitterweile haben wir schon sage und schreibe drei neue, klitzekleine Mitbewohner, die das Haus ein wenig herbstlich bunt und den Esstisch hübscher machen. In den nächsten Tagen – und da ich ja quasi gerade erst angefangen habe, vermutlich auch Wochen – werde ich euch hier alle meine „Babies“ nacheinander vorstellen. Also schaut, wenn ihr mögt, bald mal wieder rein.

Liebe Grüße,

Eure Anne


 

Alle Beiträge der #Blumenkinder-Reihe im Überblick:

 


 

14 Kommentare

    • Och, Aliens und dann noch lustig ist doch auch nicht schlecht. Einfach noch ein paar Filzkugeln als Planeten dazubasteln, und fertig ist das Weltraumabendteuer :-D Ja, gut, mit Jahreszeiten hat das dann nur noch wenig zu tun, aber Kids finden es bestimmt trotzdem cool. Vielleicht sogar noch besser! ;-) LG!

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