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Depriphase, Leben mit Kindern

Wieder einmal sitze ich vorm Laptop und weiß nur, dass ich das dringende Bedürfnis habe, mir etwas von der Seele zu schreiben, aber nicht, wie ich es in Worte fassen soll. Hirn aus, Herz an.

“Unverstanden” – so fasste die liebe Sonja alias @Mamanotes auf Twitter vorhin meinen Gefühlszustand in ein einziges Wort. Da ist natürlich noch so viel mehr. Ärger. Ungeduld. Erschöpfung. Hin- und hergerissen sein. Nicht mehr aushalten wollen. Genug haben. Aber über all dem steht trotzdem heute nach dem zweiten Gespräch in der Elternberatungsstelle dieses eine Wort. Dabei verlief der erste Termin vielversprechend. Ich kam mit dem leisen Gefühl, dass wir hier an der richtigen Adresse sind, aus dem Kennenlerngespräch. Nach dem zweiten Gespräch fühle ich mich nun schlechter als zuvor. Aber der Reihe nach…

Hoffnung

Nachdem der Papa Pelz und ich letztes Mal ja nur mit dem Kleinen Ajan dort waren, um “frei” über alles sprechen zu können, sollte die Große heute mit dabei sein. Geplant war, dass die Sozialpädagogin unsere Tochter und mich beim Spielen filmt und sie uns dann anhand des Videos uns zeigen kann, wo wir wirklich gut miteinander harmonieren. Das klang für mich überraschend gut. Ich hatte mich bisher so sehr auf die ganzen Probleme konzentriert, dass ich noch gar nicht auf die Idee gekommen war, es einfach mal anders herum zu versuchen: nicht das Negative sehen, sondern das Positive und sich daran festhalten.

Heute kamen wir zur Abwechslung sogar pünktlich und am richtigen Ort an. ;-) Das Fleischbärchen war sofort Feuer und Flamme für die ganzen tollen Spielsachen. Dadurch vergass sie auch sofort, dass ja eigentlich eine zunächst fremde Person uns begrüßte. Zwar taut sie generell ziemlich schnell auf, wenn sich jemand Fremdes ihr zuwendet und mit ihr beschäftigt, aber ein wenig gesunde Zurückhaltung ist da meist schon da – was ja auch manchmal gar nicht schlecht ist.

Wir setzten uns und hatten erst mal einiges über den Vorabend zu berichten – der Papa Pelz hatte bereits darüber gebloggt – weil uns dieser herbe Rückschlag einfach auf der Seele brannte. Was sollten wir in Zukunft in so einer Situation tun? Wie reagiert man richtig bzw. kann man in irgendeiner Weise auch wirklich falsch reagieren?

Ein Schritt vor, einer zurück

Nachdem wir alles geschildert hatten, gingen wir erst einmal in einen anderen Raum, um das geplante Video aufzunehmen. Während der Papa Pelz mit dem Kleinen Ajan nebenan wartete, spielten das Fleischbärchen und ich zusammen mit einer Spielküche. Erst fühlte sich das seltsam an, dass uns dabei jemand beobachtete. Nach einer Weile hatte ich unsere Zuseherin aber sogar für ein paar Minuten schlichtweg vergessen.

Danach gingen wir wieder zurück, um unser Gespräch fortzusetzen. Der einzige Tipp, die einzige “Hausaufgabe”, die wir bekamen, war, eine Beruhigungsecke einzurichten, wo wir mit dem Fleischbärchen zusammen hingehen, wenn sie wieder so einen Wutanfall hat. Das war für mich keine neue Idee. Auch das hatten wir bereits probiert. Ansonsten gab es das mit auf den Weg, was ich eigentlich gerade nicht hören wollte: “Sie machen das schon richtig so. Durchhalten! Alles nur eine Phase!” Wir sollten dem Kind gegenüber zeigen, dass wir stark seien und es führen könnten.

Ich fühl mich nicht stark. Ich fühle mich scheiße. Ich habe seit Monaten das Gefühl, eine grottenschlechte Mutter zu sein, die mittlerweile bei jeder Kleinigkeit selbst die Krise kriegt, sich dann am liebsten auch auf dem Boden werfen würde und manchmal auch, wenn sich nur genug angestaut hat, ihr Kind anbrüllt. Vor dem kleinen Kind! Was ist daran bitte stark und wie soll ich da ein Kind beruhigend in eine Beruhigungsecke führen, wenn ich selbst eine gebrauchen könnte, den Raum aber nicht verlassen kann, weil sonst die Gefahr besteht, dass das Kind sich selbst verletzt?

Ich habe versucht, ihr genau das zu sagen. Aber irgendwie kam es anscheinend nicht so rüber, dabei stiegen mir bereits die Tränen in die Augen und ich hatte einen dicken Kloß im Hals. Was muss noch passieren? Oder erwarte ich einfach zu viel? Gibt es wirklich keinen Ausweg aus dieser Situation? Müssen wir tatsächlich da “irgendwie durch”?
Noch habe ich zumindest dieses letzte Fünkchen Hoffnung, dass es irgend einen Weg geben muss, der der unsere ist. Wo bist du? Bitte zeige dich!

 

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