Das Licht am Ende des Tunnels

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Geburt, Kritik, Schwangerschaft, Stillzeit

Bereits gestern hatte ich schon darüber berichtet, welch einen Balast wir seit Monaten mit uns herumschleppen. Heute möchte ich beginnen, auf die Hintergründe und die Vorgeschichten der einzelnen „Schlachtfelder“ einzugehen. Ich fange ganz von vorne an, und es wird kein Bericht für Zartbesaitete oder gerade zum ersten Mal Schwangere!


Ich war wirklich überwältigt, was für eine Resonanz der letzte Beitrag besonders auf Twitter ausgelöst hat, und ich möchte allen, die uns gerade mit Rat und Aufmunterungen zur Seite stehen noch einmal von ganzem Herzen danken. Auch, wenn der ultimative Tipp noch nicht für uns dabei war (für eine Ferndiagnose ist das Thema auch einfach viel zu komplex), es tut wirklich gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind. DANKE! ♥♥♥


Eigentlich wollte ich ja in diesem Beitrag über das Hier und Heute schreiben. Um aber die Beziehung zwischen dem Fleischbärchen und mir (der Papa Pelz kann, wenn er mag, ja noch seine eigene Sicht der Dinge auf seinem Blog darlegen ;-)) nachvollziehbarer zu machen, und auch um das, was ich schon lange schriftlich aufarbeiten und festhalten wollte, endlich mal niederzuschreiben, erzähle ich euch heute doch erst einmal von der Schwangerschaft, Geburt und den ersten Wochen und Monaten unserer kleinen Familie, und wie es mir dabei ergangen ist. Diese Mutter-Kind-Beziehung war für mich von Beginn an nicht einfach – und für das Fleischbärchen sicherlich noch schwieriger, weil sie all das ja noch nicht verstehen konnte und bis heute nicht kann.

Hurra, wir sind schwanger!

Ganz, ganz, ganz am Anfang, war alles einfach nur großartig. Als der Papa Pelz und ich gemeinsam beschlossen, dass wir unsere Erfahrungen und Werte an eine weitere Generation weitergeben möchten, und ich dann gleich im „ersten Anlauf“ schwanger wurde, waren wir überglücklich. Wunderbar fand ich auch, dass ich endlich mal Gewicht zulegte, denn ich kämpfe eigentlich schon immer um jedes Gramm – nicht darum, es loszuwerden, sondern es auf die Hüfte zu bekommen und zu behalten. ;-)

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Doch nach der ersten Euphorie nagten plötzlich Zweifel: „Was für eine unglaubliche Verantwortung so ein Kind mit sich bringt! Verdammt, schaffe ich das überhaupt? Werde ich eine gute Mutter sein?“ Die Stimmung ging ständig auf und ab. Und das war nicht die typische, schwangerschaftsbedingte Achterbahnfahrt der Gefühle. Die Angst vor dem Versagen, die Angst, dass mit der (eigentlich mustergültigen) Schwangerschaft irgendetwas schief laufen könnte und mein Baby nicht gesund zur Welt kommt war (eigentlich völlig unnötig) saß mir wirklich ständig im Nacken. Ich war auf Daueranspannung! Das Wissen, dass emotionaler Stress auch meinem Baby schaden kann, setzte mich noch mehr unter Druck, und die Situation am Arbeitsplatz war leider ebenfalls ganz und gar nicht entspannt. Etwa aber der Mitte der Schwangerschaft bekam ich ein Beschäftigungsverbot erteilt. Danach fiel mir erst einmal die Decke auf den Kopf. Ich suchte mir eine eigene Beschäftigung und begann wieder zu Nähen. Doch so richtig füllte mich das auch nicht aus. Natürlich kümmerte ich mich auch um Haushalt und Garten, doch gerade letzteres, die Gartenarbeit, wurde von vielen streng beäugt und für eine Schwangere für schädlich befunden. Dabei liebe ich das Buddeln im Garten! Es gibt mir unglaublich viel Energie. Doch weil ich ständig die doch eigentlich nur gut gemeinten Ratschläge im Kopf hatte, buddelte ich mit schlechtem Gewissen und angezogener Handbremse. Hätte ich nicht auch noch Schwangerschaftsyoga bei einer ganz, ganz tollen Yogalehrerin gemacht, die das alles wirklich sehr entspannt sah, ich wäre irgendwann durchgedreht. Denn dann kamen irgendwann auch noch die Wehwehchen, insbesonders wirklich heftige Wassereinlagerungen. Auch darüber hatte ich bereits ausführlichst mal gebloggt.

Erstens kommt es anders…

Schließlich waren die letzten Tage der Schwangerschaft in Sicht und der Stichtag der Geburt rückte in greifbare Nähe. Dann wurde bei einer der Routineuntersuchungen beim Frauenarzt Eiweiß im Urin gefunden. Das musste beobachtet werden. Leider ging der Kelch nicht an mir vorrüber. Mein sonst bisher immer sehr niedriger Blutdruck stieg. Diagnose: Präeklampsie (altmodisch und falsch auch Schwangerschaftsvergiftung genannt). Mein Frauenarzt riet mir drei Tage vor dem errechneten Termin, direkt ins Krankenhaus zur Beobachtung zu fahren. Es müsse so oder so bald eingeleitet werden. Da ich aber so lange wie möglich in meiner gewohnten Umgebung bleiben wollte, und weil mein Arzt wusste, dass ich auf mein Körpergefühl höre, durfte ich doch erst mal wieder nach Hause fahren, musste aber regelmäßig meinen Blutdruck kontrollieren.

Am errechneten Termin ging es ins Krankenhaus. Ich hielt dieses Gefühl, vielleicht doch etwas zu übersehen und dem Kind und mir damit zu schaden nicht mehr aus. Die darauf folgende Einleitung habe ich ja schon einmal hier im Blog zusammengefasst. Doch auch wenn sich dieser Bericht über die Geburt und die erste Zeit danach noch sehr positiv liest, vieles kam erst in der zweiten Schwangerschaft plötzlich wieder hoch. Zum Glück hatte ich meine liebe Hebamme Elke, mein Schutzengel, die mir immer wieder eine Kerze reichte, wenn mir alles dunkel erschien, auf dass ich nicht vom Weg abkam.

Schön ist anders

Auch wenn ich es in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt noch nicht so gesehen habe, ich glaube, ich habe ein Geburtstrauma davongetragen und habe erst mit der 2. Schwangerschaft begonnen, damit klarzukommen. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich bereits schon viel früher versucht, all das aufzuarbeiten, denn eine Schwangerschaft ist einfach der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um negative Emotionen und Erlebnisse noch einmal Revue passieren lassen und sich damit auseinandersetzen zu müssen. Ich rate wirklich jeder Mama, die vielleicht Ähnliches durchlebt hat: wenn ihr den Wunsch nach einem weiteren Kind verspüren solltet, setzt euch bereits vor der Schwangerschaft damit auseinander.

Ja, mit der Zeit wird es besser, aber vergessen werde ich sie nie: diese Hilflosigkeit, diese Wut, diese unerklärbare Traurigkeit, das Gefühl, selbst Schuld an all dem zu sein, das Gefühl, aus Gründen der „Finanzoptimierung“ belogen zu werden.

Wenn man erst nach mehrmaligem Nachfragen unter den Wehen einer bereits 2 Tage andauernden Einleitung von den Ärzten zögerlich das Eingeständnis zu hören bekommt, dass der angeblich so dringend empfohlene Kaiserschnitt doch nicht unbedingt notwendig ist… Wenn man in der schlimmsten Phase der Wehen von oben herab von der geburtsbegleitenden, nein, eigentlich geburtsantreibenden Hebamme an den Kopf geknallt bekommt, dass ich mir eine Wassergeburt aus dem Kopf schlagen könne, weil mein Baby viel zu groß sei, und das Risiko, dass dabei etwas schief geht, keiner tragen möchte und wenn sich mir dabei aus heutiger Sicht die Frage stellt, wieso mir das beim Blick auf meine bereits vorhandenen Daten keiner beim Anmeldegespräch gesagt, mich keiner darauf vorbereitet hat…

Das Allerschlimmste, war für mich aber die Geburt an sich. Sie war geprägt von einem Gefühl des „Übersichergehenlassens“. Da war zum einen das Unwissen. Schließlich war es meine erste Geburt. Ich hatte schlichtweg keine Ahnung, wie sowas eigentlich im besten Fall ablaufen sollte, was man machen lassen und hinnehmen muss, und wo die Grenzen sind. Und dann waren da auch noch die Schmerzen. Einleitungsschmerzen sind nicht wie normale Wehen, wenn man zuvor einen völlig unreifen, fest verschlossenen Muttermund hat und komplett bei Null anfängt. Ich hatte keine Wehen, ich hatte Dauerschmerzen. Aber das interessierte niemanden, so lange ich noch auf der Wöchnerinnenstation vor mich hinvegetierte! Und auch die Tatsache, dass direkt über der Wöchnerinnenstation die Kreißsäle lagen und ich in der Nacht, bevor das Fleischbärchen das Licht der Welt erblickte, vor Wehen nicht schlafen könnend, mit anhören musste, wie eine gerade gebärende Frau über mir vor lauter Schmerzen jammerte und flehte und schrie. Mir wurde Angst und Bange. Wieder einmal!

Doch all diese Schmerzen waren dann auch noch sinnlos, denn mein Muttermund ließ sich von der ganzen Prozedur nur widerwillig beeindrucken. Ich hatte gerade mal 4cm geschafft. Also wurde ich wieder zur Oberärztin gebeten. Und was mir da blühte, war noch schlimmer. Eine Eipolablösung, um die Wehen zu beschleunigen. Es war das Schmerzhafteste, was ich bis dato erlebt hatte. Und dann war da plötzlich Blut, das mir die Beine herabrann, als ich nach der Untersuchung verstört meinen Schlüpfer wieder in der Umkleidkabine anzog. Was hatte das alles zu bedeuten? Die Ärtzin versicherte mir, dass das schon O.K. so sei. Doch war es das wirklich?

Ich erinnere mich noch genau, wie ich gegen Ende der Geburt, nachdem ich ein Weile vor Erschöpfung der Ohnmacht nahe gewesen war, zu dritt von der Oberärztin, der Hebamme und meinem Mann von der Rückenlage in den Vierfüßlerstand gehievt wurde, während ich bereits das Gefühl hatte, dass der Kopf meines Babies unten rausguckt. Und wie die Hebamme, die Oberärztin und mein damaliger Frauenarzt, der ebenfalls im Krankenhaus arbeitete, um mich herum standen, etwas abseits auch noch mein Mann, und mich dabei beobachteten, wie ich meine Wehen hinausbrüllte und in den Wehenpausen versuchte, mit kreisenden Hüftbewegungen, das Kind weiter ins Becken zu befördern. In diesem Moment war ich so konzentriert bei der Geburtsarbeit, dass ich um mich herum erst gar nichts mitbekam. Erst als mein Frauenarzt mir (vermutlich nur nett gemeint) „Hallo, Frau Pelz!“ sagte (er hatte wohl gerade erst den Raum betreten), wurde ich für einen kurzen Moment aus meinem tranceartigen Zustand geholt und realisierte das Szenario. Doch da ich merkte, dass mich das bei weiterer Beachtung völlig aus dem Konzept bringen würde, konzentrierte ich mich schnell wieder auf die Geburt und die Wehen und blendete alles um mich herum aus. Erst etwa ein Jahr später kam alles wieder hoch. Mit der Vorbereitung auf die Geburt unseres zweiten Kindes wurde die Scham wieder gegenwärtig und ich beschloss, dass ich nie wieder so eine Demütigung, so einen verletzenden Eingriff in meine Intimsphäre erleben wollte. Doch das war bei Weitem nicht das einzige, was sich nicht wiederholen sollte.

Die ersten Stunden

Direkt nach der Geburt wurde mir mein Baby nicht auf die nackte Haut gelegt. Es lag für einige Augenblicke auf meiner Brust, getrennt von mir durch einen hässlichen Krankenhauskittel, bevor die Hebamme sie mir wieder weg nahm und den Apgartest durchführte, den sie mit 10 von 10 Punkten „bestand“ – ein kerngesunder Wonneproppen von 4325g, verteilt auf 54cm Länge. Die Nabelschnur, die eigentlich mein Mann nach dem Auspulsieren durchtrennen wollte, wurde ohne geringste Nachfrage einfach – schnipp schnapp – in Windeseile natürlich vor dem Auspulsieren von der Hebamme zerschnitten. Wir waren völlig überrumpelt. Als ich dann schließlich und endlich mein Baby im Arm halten durfte, wurde noch am mir herumgefuhrwerkt. Ich hatte mein Baby nicht in meinen Armen, nein, ich hatte es tatsächlich nur IM Arm, denn am anderen lief über den Zugang in der Armbeuge noch der Wehentropf auf „volle Pulle“, damit die Nachgeburt möglichst schnell über die Bühne ging. Dann wurde noch einmal kräftig auf meinem Bauch herumgedrückt, und schwubbs, kam die Planzenta auch heraus. Mein Mann erzählte mir erst nach der Geburt unseres Sohnes, dass sie bei der Geburt des Fleischbärchens (im Gegensatz zu der bei Geburt des Kleinen Ajans) völlig zerfranst ausgesehen hatte. Ich selbst hatte sie nie zu Gesicht bekommen, obwohl es mich eigentlich brennend interessiert hätte. Gerade geboren, war sie auch schon im Mülleimer unter dem Geburtsbett verschwunden. Über bzw. auf mir hockte anschließend die Hebamme, mir ihren Allerwertesten zuwendend und einen Spiegel in meiner Scheide haltend, während unten vor mir die Oberärztin das, was von meiner Scheide und meinem Damm übrig geblieben war, in einer Dreiviertelstunde wieder zusammenflickte – unter Zeitdruck, aber nicht, weil ich Blut verlor und aus medizinischer Sicht Grund zur Eile bestanden hätte. Ständig schaute sie dabei auf die Uhr und murmelte irgendetwas wie: „Na ja, wenn ich mich spute, komme ich zur Kreißsaalführung vielleicht doch noch pünktlich. Das kriegen wir hin!“.

Was mir in diesem Moment durch den Kopf ging? Verwirrung, ja, aber in allererster Linie einfach nur Erleichterung, dass ich diese ganze Geburstortures überstanden hatte.

Vom Regen in die Traufe

Ich sag es frei raus: auch auf der Wöchnerinnenstation wurde es nicht besser. Ich heulte die ganze Zeit, meist aus völlig unerfindlicher Verzweiflung (Babyblues), in seltenen Momenten aber auch aus völliger Glückseeligkeit. Das Stillen klappte nicht. Ich soll ständig in den Stillraum gehen und pumpen, um die Milchproduktion anzuregen. Also pumpe ich – stundenlang. Als ich einmal etwas enttäuscht ob der vermeintlich geringen Milchmenge mit der Flasche aus dem Raum komme, die ich natürlich anschließend auch meinem Kind gebe, meint eine Kinderkrankenschwester völlig verblüfft: „Sie haben ja unglaublich viel Milch für den Anfang!“ Die Frage, warum ich dann überhaupt pumpen soll, stelle ich mir in dem Moment nicht, und darauf, dass der extrem schmerzhafte Milcheinschuss etwa drei Tage nach der Geburt damit zu tun haben könnte, komme ich nicht. Ich funktioniere nur und fühle mich wie eine Milchkuh. So habe ich mir die ersten Stunden mit Baby nicht vorgestellt. Kinderkrankenschwestern, die zum xten Mal versuchten, mir das Kind an die Brust zu stopfen. Ich muss schließlich mit Stillhütchen stillen, bin aber froh und dankbar, dass wenigstens das funktioniert. Dass wir aber noch weitere 4 Monate hart dafür arbeiten und viele Tränen vergießen werden, bis wir vom Stillhütchen wieder weg kommen, ahne ich in dem Moment noch nicht.

Warum das alles? Ich bin keine Expertin, aber ich vermute, dass die ersten Stunden nach der Geburt entscheidend dafür waren. Bis ich das Fleischbärchen zum allerersten Mal anlegen durfte, vergingen sage und schreibe zwei Stunden! Dabei gebar ich ein kerngesundes Kind, und auch mir ging es nicht so schlecht, als das man den ersten Versuch nicht schon früher hätte „wagen“ können.

Natürlich bat ich mehrfach die Krankenschwestern um Hilfe, aber entweder wurde ich von Pontius zu Pilatus geschickt und jeder riet mir etwas anderes, oder aber ich wurde schlichtweg ignoriert, so wie auch mein Blutdruck, der nach Tagen immer noch weiter in die Höhe schoss. Erst am Tag vor der Entlassung erbarmte sich dann ein Arzt, in die Akten zu sehen und stellte entsetzt fest, dass ich mit einem 190er Blutdruck nach einer Woche Krankenhausaufenthalt ja unmöglich am Folgetag schon nach Hause könne. Ich war die ganze Zeit fix und fertig und schlief eigentlich gar nicht. Und wenn ich dann endlich mal schlief, kam wieder jemand ins Zimmer, wollte Blutdruck messen, Blut abnehmen o.ä..

Nachwehen

Erst als wir zuhause waren, kehrte etwas Ruhe ein. Diese ständige Angst, etwas falsch zu machen, die ich bereits in der Schwangerschaft hatte, blieb aber immer noch präsent. Nach etwa 3-4 Wochen waren wir schließlich in der Hölle angekommen, oder zumindest ich. Unser Baby schrie jeden Abend Stunden lang und ließ sich nur durch Umhertragen oder Stillen beruhigen. Und auch sonst saß ich fast den ganzen Tag nur herum und stillte. Jede Stillmalzeit dauerte über eine, teilweise bis zu zwei Stunden. Dann hatte ich eine Viertelstunde Pause und konnte direkt wieder mit Stillen loslegen.

Hinzu kamen noch die Schmerzen der Geburtsverletzungen und die Tatsache, dass sich mein Beckenboden anfühlte, als hinge er bis zu den Knöcheln durch. Außerdem hatte ich auf Grund der fehlenden Bewegung irgendwann so dermaßen Verstopfung, dass ich mich vor Bauchschmerzen auf dem Sofa wand. Leider blieb mir diese „Phänomen“ auch nach der Geburt des Kleinen Ajan nicht erspart. Es war echt schrecklich und hätte zumindest beim zweiten Kind liebend gern noch 10 Mal stattdessen die Geburt erlebt, als die Wochenbettzeit.

Eine Nacht, die sich bei mir ins Gedächtnis eingebrannt hat, war der Jahreswechsel 2012/2013. Das Fleischbärchen schrie drei Stunden fast ununterbrochen. Nicht, weil sie vor den lauten Raketen Angst hatte, nein, sie schrie einfach. Wir wussten nicht weshalb. Da sie in diesen drei Stunden sich auch nicht einmal mal mehr durch Stillen beruhigen, geschweige denn anlegen ließ, waren wir selbst irgendwann nur noch Nervenbündel. In unserer Verzweiflung funkten wir unsere Nachbarin von zwei Häuser weiter an. Sie kam, nahm das Baby auf den Arm und innerhalb von fünf Minuten schlief sie ein. Ich war froh – und fühlte mich als Versagerin.

Was bleibt…

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Soweit also mein Rückblick auf die Vergangenheit. Auch, wenn es immer noch nicht einfach war und ist, darüber zu schreiben oder zu reden, es fällt mir von Tag zu Tag leichter. Einen echter Durchbruch war für mich bereits die Schwangerschaft mit meinem Sohn. Ab dem Zeitpunkt, wo ich einen Schlussstrich zog und nur noch meine Hebamme die Vorsorge machen ließ (die „Pflicht“Ultraschalltermine hatte ich zum Glück schon hinter mir), ruhte ich in mir selbst. Wassereinlagerungen? Trotz Sommergeburt, dieses Mal keine Spur! Und die Geburt unseres Sohnes, die ich ja auch bereits ausführlich beschrieben habe, hat noch so viel mehr wett gemacht. Aber sie hat mir auch um so deutlicher gezeigt, wieviel tatsächlich unnötigerweise bei der Geburt unserer Tochter falsch gelaufen ist. Ich werde sicherlich noch Jahre brauchen, um damit meinen Frieden zu finden. Aber ich bin guter Hoffnung, dass ich es schaffen werde. Ich habe schließlich aus eigener Kraft eine Scheißgeburt überstanden. Darauf kann ich mittlerweile ehrlich stolz sein. Und ich durfte eine wunderschöne, nahezu schmerzfreie Hypnogeburt selbst bestimmen und gestalten. Diese Geburt lief auch nicht perfekt, aber ich war im Stande, meine Rechte und v.a. meine Würde zu verteidigen bzw. sie von meinem Mann, dem Vater meiner Kinder, verteidigen zu lassen. Auch wenn ich das viel zu oft vergesse, ich bin nicht mehr die verängstigte Mutti von damals. Ich bin eine Löwenmama!

 

Liebe Grüße,

e670c-eureanne

41 Kommentare

  1. da muss ich fast ein kleines bisschen heulen. :'( bei meiner ersten geburt lief alles perfekt (abgesehen von kleinigkeiten, von denen man als erstgebärende einfach keine ahnung haben kann!), aber du hast wirklich mit beiden händen in die scheiße gegriffen.

    so eine bescheuerte geburt beeinflusst einen natürlich ungemein, und auch die beziehung zum kind wird dadurch anders, wenn auch nicht bewusst.

    ihr habt dennoch das beste aus der situation gemacht und ich weiß, dass ihr auch das derzeitige schlafdrama meistern werdet. zusammen seid ihr stark! <3

    • Liebe Marylu,
      herzlichen Dank für deine aufmunternden Worte. Ja, ich glaube, wir hatten tatsächlich einfach nur Pech am laufenden Band. Ich kenne einige, die im selben Krankenhaus auch nicht zufrieden waren, aber so krass lief es bei keiner. Und es gab zum Glück auch positive Geburtserfahrungen. Für die 2. Geburt habe ich dann aber trotzdem eine anderes gewählt ;-)
      Liebe Grüße, Anne

  2. Oh mann… Da hast du ja in fast allen Dingen die „goldene Arschkarte“ gehabt… Fühle mit dir, denn bei mir wars leider auch so heftig, dass ich ohne Beleghebamme an meiner Seite keinen Kreissaal mehr betreten werde.
    Hoffe du konntest das alles mittlerweile zumindest teilweise aufarbeiten… Fühl dich unbekannterweise gedrückt!

    LG
    Daniela

    • An eine Beleghebamme hatte ich bei der 2. Geburt auch schon gedacht. Allerdings gab es hier nur eine einzige, die in meinem Wunschkrankenhaus zugelassen war, und von der hatte mir meine Vor- und Nachsorgehebamme mehr oder weniger schon abgeraten. Aber eigentlich war mir das diese Mal auch egal, weil ich meinen Mann dabei hatte, und der für mich alles geregelt hat, während ich möglichst meine Ruhe haben wollte. Hat ja auch ziemlich gut geklappt. <3 Wenn die mir nochmal ohne triftigen Grund auf den Keks gegangen wären, hätte meine Mann sie rausgeschmissen :-D Das Gute an der „Scheißgeburt“ war, dass ich nun endlich wusste, was ich wirklich will. Man muss immer die positiven Seiten sehen. ;-)
      Liebe Grüße und danke für deinen Kommentar,
      Anne

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