Das Schlamassel mit dem Schlafen

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Depriphase, Leben mit Kindern

20:57 Uhr. Ich hab grad soooon Hals. Auf all das, was sich die vergangenen Monate bei uns so angestaut hat. Auf die Gesamtsituation. Am liebsten würde ich in diesem spezifischen Moment alles hinschmeißen und einfach mal für eine Weile verreisen. Allein.

Da denkst du „Heute ist das Fleischbärchen aber ganz sicher platt und schläft ohne Probleme ein und durch.“ Weil du sie den halben Tag über den Spielplatz gejagt hast, und weil sie sich bis zum frühen Nachmittag beharrlich geweigert hat, ihr großes Geschäft zu erledigen, was auch und besonders sie selbst unglaublich Kraft kostete. Stundenlanges Gejammere: „Mamaaa, Maaaamaaaa!“ und ich natürlich mich ständig bremsend, sie nicht doch irgendwann anzuschnauzen, weil mir der Geduldsfaden reißt. Nein, ich atme tief durch, bleibe einfühlsam und verständnisvoll, versuche, den Druck, der ja ohnehin schon rein physisch da ist, nicht auch noch psychisch von außen auf sie auszuüben. Denn ich merke, je öfter ich mal vorsichtig frage: „Möchtest du aufs Töpfchen?“ kommt sofort die vehemente, angsterfüllte Verneinung. Also ziehen ich ihr eine Windel an, sage ihr ganz ruhig, dass sie, wenn sie möchte, auch wieder in die Windel machen kann. Zwischendurch sitze ich innerlich selbst flehend am Esstisch und lasse meinem Unmut auf Twitter freien Lauf.

Schließlich kam dann doch noch die Erlösung…

Und wir hatten wirklich richtig Spaß und einen wunderschönen, ereignisreichen Nachmittag. Das Kind war wie ausgewechselt. Ist ja auch klar, wenn man sich endlich wieder in seinem Körper wohl fühlt.

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Nachdem wir vom Spielplatz wieder Zuhause waren, spielten wir sogar noch eine Weile Fußball im Garten, während sich der Papa Pelz ums Abendessen kümmerte. (Es gab Gegrilltes ;-)) Auch die anschließende, warme Dusche schien rein gar nichts bewirkt zu haben. Unser Kind schlief einfach nicht ein und weckte durch ihr Schreien mal wieder ihren kleinen Bruder. :-(

Was bisher geschah…

Schon seit Wochen hatte ich versucht, unser Abendritual zu verkürzen, weil ich langsam glaubte, dass es vielleicht auch einfach zu lang ist, und es u.a. deshalb seit Monaten Abends zum großen Showdown kommt.

Bisher sah unser Abend immer folgendermaßen aus:

  • 18:00 Abendbrei für den kleinen Ajan
  • 18:30 Abendbrot
  • 19:00 nach oben ins Bad gehen:
    • Waschen
    • Wickeln
    • Zähneputzen
  • Danach:
    • Auf Sesseln im Kinderzimmer Gute Nacht Geschichte vorlesen
    • eine Musik von „der“ CD anhören
    • ins Bett
    • Gute Nacht Lied von Mama

Die letzten Wochen hatte ich auch probiert, wieder bei ihr zu bleiben, damit nicht eventuell Angst vor dem Alleinsein der Grund sein könnte. Anfangs hatte das ein paar Tage lang super geklappt. Dann fing sie plötzlich an, in ihrem Gitterbett umherzulaufen, irgendwann lauthals zu singen und sobald ich sie ermahnte, dass drüben ja der Kleine Ajan schliefe und aufwache, wenn sie so laut sei, gingen erst richtig die jungen Pferde mit ihr durch. Ich sagte schließlich, sie solle das lassen, sonst ginge ich raus. Es kam wie es kommen musste. Ich ging raus. Sirene an. Ich ging rein, „Leg dich jetzt bitte hin!“ „Nein!“ Ich raus. Sirene. „Wenn du jetzt nicht sofort leise bist, wacht der Kleine Ajan auf.“ platzte es plötzlich aus mir heraus. Da war es. Ich wollte doch nicht drohen, und tat es nun trotzdem.

Zack! Geschrei von nebenan. Kleiner Ajan war aufgewacht. Wenn der Papa Pelz da ist, ist das ja zum Glück nicht ganz so dramatisch, außer, dass man in so einem Fall meist 1/2 bis 1,5h den nun völlig überdrehten Kleinen Ajan herumtragen und wieder beruhigen muss. Eigentlich ist das Ins-Bett-bringen des kleinen Knirpses echt super entspannt und meist in 5 Minuten „erledigt“. Aber wenn er einmal ein 3/4h geschlafen hat und dann wieder (unsanft) geweckt wird, ist es (verständlicherweise) vorbei mit der Pflegeleichtigkeit. Wenn ich aber alleine bin, stecke ich voll in der Zwickmühle. Ich gehe natürlich zum Kleinen Ajan rüber, erkläre aber, mittlerweile die Emotionen wieder etwas mehr unter Kontrolle, in gedämpftem Ton dem Fleischbärchen, dass ich nun zum Kleinen Ajan rüber muss, weil er sich erschrocken hat, dass ich, sobald er schliefe aber noch mal nach ihr sähe. Sie müsse allerdings „mucksmäuschenstill“ sein. Sonst könne Kleiner Ajan nicht schlafen und ich könne nicht zu ihr kommen.

5 Minute drüben. Kleiner Ajan ist wieder kurz vorm Einschlafen, da dröhnt es aus Leibeskräften im flehenden, weinerlichen Ton von nebenan: „Maaamaaaa! Maaaamaaa…“ Zack. Augen auf, Ajan wieder wach. Ich kann aber natürlich nicht mit ihm rüber, weil ich ihn dann mitnehmen müsste und die Schreiquelle direkt neben seinem Ohr hätte. So sitze ich da, ihm die Ohren zuhaltend, wiege ihn, und hoffe, dass sie bald „aufgibt“. Es vergehen 5 Minuten. Immer noch. Es vergehen 10 Minuten. Pause. Nein, doch nicht, war nur zum Luft holen. Es reicht mir. Kleiner Ajan starrt eh schon wieder Löcher in die Luft. Ich gehe rüber: „Was ist los? Sag mir bitte, was du möchtest!“ Nix. Keine Reaktion. Vermutlich ist sie auch einfach schon zu müde dazu. Dann wieder Schreien: „Mammaaa!“ Dabei stehe ich direkt daneben. Schluss jetzt! Ich rede Tacheles im nun wirklich scharfen Befehlston. Zack! Ruhe. Dann noch kleinlaut: „Kannst du mich bitte noch zudecken!“ – „Ok, komm runter Anne! Sie meint es doch nicht so!“, denke ich mir. „Natürlich decke ich dich noch zu!“ sage ich nun deutlich besänftigt. Ich gehe raus. Es ist Ruhe. Den restlichen Abend. Es ist halb 10 und Kleiner Ajan ist wieder putzmunter.

Der Kampf mit der Kita

So und ähnlich hat es sich nun wirklich Monate lang fast jeden Abend zugetragen. Ausnahmen gab es nur, wenn sie den Tag über so viel gemacht und erlebt hatte, dass sie vor Erschöpfung schon fast am Abendbrotstisch einschlief. Aber dafür durfte sie auf keinen Fall einen Mittagsschlaf machen. In der Kita gibt es aber jeden Tag einen Mittagsschlaf. Alle Kinder werden ausnahmslos mittags bettfertig gemacht und hingelegt. Wer nicht schläft, wird nicht dazu an-, aber wer einschläft, wird eben auch nicht davon abgehalten. Da das Mittagsschlaf weglassen am Wochenende mit ihr eigentlich schon gut klappt, baten wir darum, diesen Zustand zu ändern und sich eine Lösung dazu zu überlegen, v.a. weil sie noch ein weiteres, komplettes Jahr in der Krippengruppe bleiben und erst im nächsten Jahr in die Kindergartengruppe wechseln wird, wo es dann offiziell keinen Mittagsschlaf mehr gibt. Doch es ist anscheinend nichts zu machen. Die Räumlichkeiten sind nun mal leider auch sehr begrenzt. Zwar gibt es wohl auch noch mindestens ein anderes Kind, dass abends nicht zu Ruhe kommt, dadurch lange wach und am darauf folgenden Tag völlig k.o. ist, weil es abends nicht schlafen konnte, dadurch wieder einen Mittagsschlaf macht usw. Trotzdem gibt es bisher keinerlei ernthaftes Entgegenkommen von Seiten der Kita. Sollte sich der Zustand hier nicht ändern, wird uns nichts anderes übrig bleiben, sie aus der Kita zu nehmen, wodurch wir dann ihren und damit auch den uns versprochenen Platz für den Kleinen Ajan verlieren würden. Einen Wiedereinstieg in den Beruf wäre für mich die nächsten Jahre dann erst mal passé.

Ich hätte nicht gedacht, dass sich unsere ohnehin schon nicht unproblematische Kitasituation (Näheres dazu findet ihr hier und hier) nun so umkrempelt. Seit ich sie nämlich schon früher abhole, gibt es morgens keinen Abschiedsschmerz mehr. Ihr glaubt gar nicht, was mir da ein Stein vom Herzen fiel. Und das hat nicht mal eine Woche gedauert, da merkte man bereits eine Veränderung. Zwischendurch wurde es auf Grund eines Betreuungswechsels noch einmal etwas brenzlig: Ihre Lieblingserzieherin hat sich nun für zwei Jahre nach Dubai verabschiedet. Aber an die neue Erzieherin hat sie sich nun auch schon ganz gut gewöhnt. Alles Weitere wird sicherlich im Laufe der Zeit wachsen. Es hätte so schön sein können. Und nun diese verzwickte Sache mit dem Mittagschlaf, und die Tatsache, dass der Zug, in die Kindergartengruppe zu wechseln, nun schon lange abgefahren ist. Das war er bereits, als wir Wochen vor Ende des Kitajahres, ein Elterngespräch hatten und uns entscheiden mussten. 3 Wochen später brauchte sie plötzlich den zuvor dringend notwendigen Mittagsschlaf nicht mehr. Jetzt haben wir den Salat.

Geschrei aus, Musik an?

Doch nun sind ja seit 30.7. Kitaferien und das Fleischbärchen ist den ganzen Tag zuhause. Nachdem sie gleich zu Beginn der Ferien für 4 Nächte alleine bei meinen Schwiegereltern Urlaub machte, ergriff ich die Gelegenheit dieses Orts- und Ablaufwechsels beim Schopfe. Zunächst las ich wie gewohnt mit ihr eine Gute Nacht Geschichte. Dann probierte es noch einmal (beim letzten Versuch vor Monaten hatte sie Angst gehabt) mit der CD mit wirklich wunderschönen Einschlafgedichten, -liedern und kurzen Geschichten. Diese hatten wir schon oft abends gemeinsam angehört. Und was soll ich sagen… Ich machte die CD an, sagte kurz und knapp, dass ich den Kleinen Ajan nun ins Bett bringen muss, sagte ihr „Gute Nacht“, gab ihr einen Kuss und verließ den Raum. Es gab diesen Abend keinen Mucks mehr.

Doch ich bin mit Freudensprüngen mittlerweile leider echt vorsichtig geworden. Ich probierte es am nächsten Abend noch einmal. Katastrophe! Die CD war schon zu Ende, bevor sie eingeschlafen war. Großes Geschrei, Kleiner Ajan wach und ich alleine. Ihr kennt das bereits. Ich machte ihr die CD erneut an, und zwar ganz von vorn. Am Vorabend hatte sie nach einem bestimmten Titel in der Mitte der CD verlangt. Da ich nun längentechnisch auf Nr. Sicher gehen wollte, und ich dachte, ich wäre besonders schlau, lies ich alles von vorn laufen. (Die anderen Lieder hatten wir auch schon mehrfach gemeinsam gehört.) Nach 10 Min (ich wägte mich schon in Sicherheit), großes Geschrei und Heulen. „NIIICHT DAAAS LIIIIED!“ schluchzte sie, als ich ins Zimmer stürmte. Das Ganze wiederholte sich 5 Minuten später ein weiteres Mal. Dann kam wieder der „gewünschte“ 2. Teil der CD und sie schlief endlich ein. Es war kurz nach 9. Kleiner Ajan schlief schließlich um halb 11 endlich wieder ein.

Ich bin trotzdem dran geblieben an der CD-Sache. Bisher mit Erfolg. Na ja, außer eben wieder heute Abend. Aber vielleicht bringt es dauerhaft ja doch den Durchbruch aus dieser seit Monaten festgefahrenen und sehr belastenden Situation. Dabei war das gar nicht immer so. Aber das und warum das Müssen müssen bei uns so ein Drama ist und noch einiges mehr, erzähle ich euch beim nächsten Mal.

Liebe Grüße,

e670c-eureanne

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