Urlaubsvorbereitungen: Der “Spass” mit dem Pass

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Allgemein
Ich weiß, ich weiß! Wir sind eigentlich schon längst wieder aus dem Urlaub zurück. Aber ich hatte euch ja noch einen Eintrag über das Thema “Kinderreispässe” versprochen. Wofür eure Kind einen Reisepass braucht, wie ihr ihn beantragt und wie ihr selbst kostengünstig ein gültiges Passbild erstellt, erfahrt ihr heute hier. Viele wertvolle Tipps in nur einem einzigen Post! ;-)

Die Bahntickets sind gerade per Post ins Haus geflattert, die Koffer-Checkliste liegt seit Tagen bereit, die ersten Dinge sind auch schon eingepackt, die Vorfreude auf den Urlaub steigt von Tag zu Tag. Kann eigentlich losgehen, oder?
Holland, Nachbarland, gleiche Währung, sogar die Sprache ist für uns mit ein bisschen Sprachgefühl verständlich. Aber war da nicht was? Ich meinte, vor ein paar Monaten mal etwas über Ausweispflicht bei Kindern ab der Geburt gelesen zu haben, sogar im Europäischen Ausland. Und tatsächlich! Seit 26.06.2012 gilt: Alle Kinder, auch gerade erst geborene Winzlinge, benötigen im Ausland (EU- und Nicht-EU) ein Ausweisdokument. Das kann ein Personalausweis im Checkkartenformat sein, oder aber ein Kinderreisepass. Wir hatten Last Minute gebucht und in nicht einmal 2 Wochen sollte es schon losgehen! Was nun? Nach weiterer Recherche im Internet fand ich die für uns passende Lösung.

Der Kinderreisepass

Es gibt drei große Vorteile gegenüber dem Personalausweis:

  • Die Bearbeitungszeit: null Tage. Man kann ihn direkt vor Ort im Einwohnermeldeamt austellen lassen und sofort mitnehmen.
  • Die Gültigkeit: Der Kinderreisepass ist weltweit und nicht nur im Innereuropäischen Ausland gültig. Die Dauer der Gültigkeit kann bis zu 6 Jahre betragen und dann noch einmal um bis zu weitere 6 Jahre, maximal bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres, verlängert werden.
  • Die Kosten: Mit nur 13 Euro pro Ausweis ist diese Variante im Vergleich zu den 22,80€ für einen Personalausweis (für Kinder) ziemlich erschwinglich. Auch eine Aktualisierung nach 6 Jahren kann sich mit 6 Euro durchaus sehen lassen.

Nachteilig ist eigentlich nur, dass er auf Grund des Heftformates nicht in die Brieftasche passt. Aber dann war da leider doch noch ein Haken…

Das biometriefähige Lichtbild

“Wie bitte, ein biometrisches Passbild von einem Kleinkind oder Säugling?” Ich muss gleich vorweg nehmen, die Auflagen sind da nicht ganz so streng, wie bei Erwachsenen, aber sollte man vorhaben, in ein Nicht-EU-Land zu reisen, dann sollte das alles schon seine Richtigkeit haben. Sonst kann es Schwierigkeiten geben. Da wir noch nicht wissen, wo wir in den nächsten Jahren unseren Urlaub verbringen werden, wollte auch ich also auf Nr. Sicher gehen. Über die Sinnhaftigkeit dieser Vorschrift werde ich hier jetzt nicht eingehen. Das hat der Papa Pelz nämlich schon erledigt. ;-)

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? 

Vor ein paar Monaten ist der einzige Fotograf hier im Ort weggezogen. Mal abgesehen davon: das Fleischbärchen soll sich von einer fremden Person ablichten lassen? Nicht, dass ich da etwas dagegen hätte, aber nicht mal ich bekomme sie vor die Linse, ohne, dass sie nicht gleich wieder das Gesicht abwendet. ;-D Wenn, dann klappt das nur in einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Personen und gaaanz viel Geduld und gutem Zureden. Vielleicht ist auch noch ein wenig Bestechung im Spiel. Also mal wieder das Internet befragen, was das dazu sagt.

Pimp my Passbild

Im Internet findet ihr mehrere Websites, auf denen man Portraitfotos hochladen kann und mit Hilfe einer Schablone online ein biometriefähiges Passbild erstellen kann. Erst einmal brauchte ich aber Fotos.

Ich schnappte mir also meine Spiegelreflexkamera und das erstbeste Kind, dass gerade da war, in diesem Fall den Kleinen Ajan, denn die Große war noch in der Kita. Ein wenig mulmig war mir schon zumute. Ich rechnete mit dem Schlimmsten und einer vollen Speicherkarte. Den Kleinen Ajan setzte ich auf ein Kissen vor die weiße Wand neben unserem Kamin, spielte ein bisschen Babyanimateurin “Hallo Ajan, guck mal hi-hiiiier. Da ist die Ma-ma!” und knipps, knipps, war die Sache im Kasten. Innerhalb von nicht mal einer Minute mit nur zwei Versuchen! Ich war verblüfft.
Am nächsten Morgen dann noch einmal dasselbe mit dem Fleischbärchen. Okay, ganz dasselbe war es dann doch nicht. 5 Minute und 16 Fotos später war aber auch diese Sache erledigt.

Nun wollte ich es aber wissen. Ich lud die Fotos von der Speicherkarte auf mein Laptop, bearbeitete noch etwas die Belichtung und lud sie bei einer der besagten Websites hoch. Ein bisschen hier geklickt und dort gedreht, und nun sollten sie schon fertig sein? Ging ja echt fix! Na, ob das das Amt das wohl auch so sehen wird? Das Format stimmt zumindest. Passfotos müssen ein Maß von 35X45mm haben.

Nun musste ich das Foto nur noch “zu Papier” bringen. Dazu kann man entweder bei den entsprechenden Anbietern dieser kostenlosen Dienste (dann allerdings natürlich kostenpflichtig) fertige Passbilder bestellen. In unserem Fall hätte das dann für zwei Kinder etwa 10 Euro gekostet. Das ist immer noch ein Schnäppchen gegenüber Passbildern vom Fotografen. Dort zahlt man gut und gerne 15 Euro pro Person und mehr.

Die Schwäbin in mir

Auch, wenn ich in der Gegend, wo ich geboren und aufgewachsen bin, nie als Schwäbin “durchgehen” würde, weil ich Hochdeutsch spreche, irgendwie scheint von diesem Klischee “Sparsamkeit” in diesen mehr als 20 Jahren doch etwas auf mich abgefärbt zu haben. ;-D Wie wäre es also, wenn man mit einem Fotoprogramm einfach selbst ein einzelnes Foto mit 6 Passbildern zusammenbastelt und dieses dann über die Drogerie des Vertrauens für ein paar Cent online bestellt und in der Filiale ein paar Tage später abholt – und dann vielleicht sogar noch mit einem kostenlosen Fotoprogramm?

Geht nicht? Gibt’s nicht!

Kostenlose Fotoprogramme verwende ich persönlich gleich zwei (unter IOS 10.6.8). Das Einfachere ist hauptsächlich ein Verwaltungstool, das aber auch einige nette Funktionen mit sich bringt: Picasa. Damit mache ich übrigens auch immer diese tollen Collagen mit Schriftzug. ;-P Das zweite Programm ist ein waschechtes Grafikprogramm, dass sich an den großen, kommerziellen Vorbildern wie Corel Draw oder Adobe Photoshop orientiert. Im Prinzip reicht das anwenderfreundlichere Picasa.

Dazu habe ich einfach, tadaaaa, wieder eine Collage erstellt. Und Achtung, jetzt fahren wir ein wenig mit der Kirche um’s Dorf, aber es ist komplizierter, als es sich anhört. Bei Picasa kann man leider keine Bilder in eine Collage doppelt oder mehrfach einfügen. Zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, wie das gehen soll. Wenn ihr Tipps habt, lasst mir einen Kommentar da. ;-) 
Also half ich mir einfach damit, dass ich vom online erstellten, kostenlos heruntergeladenen Bild so oft eine Kopie erstellte (Menü “Datei” – “Eine Kopie speichern”), bis ich insgesamt 6 Bilder zusammen hatte. In meinem Fall waren das also 3 Bilder vom Kleinen Ajan und 3 vom Fleischbärchen. Nun kommen wir zum “Eingemachten”, aber keine Angst, auch das wird nicht schwer. 

Ihr markiert diese sechs Fotos und erstellt eine Collage (Menü “Erstellen” – “Collage”). Es öffnete sich ein weiterer Tab. 
Im Reiter “Einstellungen” wählt ihr nun folgende Optionen: 

  • “Raster: Bilder in regelmäßigen Zeilen und Spalten anordnen”
  • Rasterabstand: Keine
  • Seitenformat: Benutzerdefinierte Seitenverhältnisse: (bitte in das Formular eingeben) 9 X 10.5 (Wichtig: mit Punkt nicht mit Komma)
  • Querformat

Anschließend klickt ihr auf “Collage erstellen”.

Mit dieser Collage (und zwar nur dieser) erstellt ihr nun noch einmal eine weitere Collage mit folgenden Optionen:

  • “Fotostapel: Sieht aus wie ein Stapel verstreuter Fotos”
  • “Bilderrahmen: Nur das Bild ohne Rahmen”
  • Hintergrundoption: Deckende Farbe (Hier wählt ihr bitte irgendeine Farbe, die sich deutlich von weiß/grau abhebt, z.B. Rot.)
  • Seitenformat: 9X13 Kleindruck
  • Querformat
  • Schatten zeichnen: aus
  • Bildunterschriftenanzeigen: aus

Nun müsst ihr noch das Bild so groß ziehen, dass es an 3 Seiten genau mit dem Rand des Hintergrundes abschließt. Entweder rechts oder links bleibt ein Streifen des Hintergrundes sichtbar. Das sah bei mir dann so aus (natürlich im Original ohne Sternchen und ohne abgerundete Ecken ;-)):

 

Anschließend klickt ihr wieder auf “Collage erstellen”. Die fertige Collage exportiert ihr nun mittels “Datei – Bild in Ordner exportieren” an einen Speicherort eurer Wahl auf eurem Computer.

Nun braucht ihr nur noch bei einem Anbieter eurer Wahl (z.B. einer Drogerie, die eine Filiale in eurer Nähe hat) das Foto mit dem Format 9X13 auf der Website oder mit der entsprechenden Bestellsoftware hochladen und bestellen. Bitte achtet dabei auf das tatsächliche Format des fertig gedruckten Bildes. Das solltet ihr auf jeden Fall noch mal im Kleingedruckten überprüfen, denn manche Anbieter werben mit 9X13-Format, haben aber in Wirklichkeit um wenige Millimeter größere oder kleinere Papierformate.

Wenn das Foto dann innerhalb von ein paar Werktagen entwickelt wurde, und ihr es entweder in der Filiale abgeholt habt, oder euch habt zuschicken lassen, braucht ihr die Einzelbilder nur noch ausschneiden. Fertig! Gar nicht so schwierig, oder? ;-)

“Darf ich ausstellen? Ihr Kinderreisepass!” – “Angenehm.”

Und was macht ihr nun mit diesem Bild um an einen Kinderreispass zu kommen? Damit geht ihr nun zum Einwohnermeldeamt. Außerdem braucht ihr unbedingt:

– 13€ pro Kinderreisepass
– einen Identitätsnachweis eures Kindes (Geburtsurkunde, alter Kinderreisepass, Kinderausweis)
– einen gültigen Identitätsnachweis von Euch (Personalausweis, Reisepass)
– die Einverständniserklärung des 2. Erziehungsberechtigten, wenn er/sie bei der Ausstellung nicht anwesend sein kann (bei Anwesenheit braucht er ebenfalls einen gültigen Identitätsnachweis von sich selbst)
– bei nur einem Erziehungsberechtigten einen Sorgerechtsnachweis
– und ganz wichtig: euer Kind! Dieses muss bei der Erstellung mit anwesend sein! Also nichts mit “Schnell mal hin, während das Kind in der Kita ist!”.

Das Foto wird eingescannt. Das könnt ihr danach also sogar wieder mitnehmen und für einen anderen Zweck verwenden. Und den Kinderreisepass bekommt ihr direkt auf die Hand! Wenn man alles parat hat, ist das eine wirklich einfach Geschichte. Das Passbild ist der komplizierteste Teil. Aber ich kann euch verraten: unser Passbild war einwandfrei gültig und wurde anstandslos akzeptiert.
Mission Reisepass erfolgreich abgeschlossen, und das Ganze für nicht einmal 15€ pro Pass inkl. biometrisch lesbarem Lichtbild.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht inn Bürokratiedunkel bringen.
Liebe Grüße,

PS: Ihr wollt es noch mal ganz genau wissen? Alle wichtigen, offiziellen Infos zum Thema Ausweisdokumente vom Personalausweisportal des Bundesminiteriums für Inneres findet ihr hier, zusammengefasst in einem praktischen pdf-Format.

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