Trocken werden 2 .0

Kommentare 0
Allgemein, Entwicklungssprung, Krankenbett, Leben mit Kindern
Das ist es also, dieses irrsinnig schnelle Großwerden, von dem so viele reden. Natürlich denke ich mir das jetzt mit einer 2 1/2-jährigen Tochter und einem 9 1/2 Monate alten Sohn nicht zum ersten Mal, denn Kinder lernen jeden Tag etwas Neues, oft unbemerkt und nebenbei. Aber es gibt ein paar Meilensteine, die ich bisher als „große Schritte“ empfunden habe. Das erste Lächeln, die erste Fortbewegung, selbst Stehen, Laufen, Sprechen uvm.. Und nun ist das Fleischbärchen im nächsten Level angekommen: Trocken werden.

Am 7. Juni ging es los. Zwar hatte sie zuvor auch schon mal ein oder zwei Tröpfchen im Töpfchen gelassen, weil sie durchaus Interesse daran hatte, sich einfach mal auf dieses Ding zu setzen, aber das war wohl mehr Zufall gewesen. An diesem Wochenende schien es aber tatsächlich *klick* gemacht zu haben, v.a. im Kopf, denn sie wusste nun, dass sie die Entleerung ihrer Blase willentlich steuern konnte. Ein ganz großer Schritt, nein, eigentlich DER Schritt, um überhaupt erfolgreich trocken zu werden. Ihr merkt schon, ich halte nichts von militärisch anmutendem Töpfchentraining zu festgelegten Zeiten. Wovon ich jedoch viel halte, ist, dem Kind die Entscheidung zu überlassen, es aber dabei ohne Druck, behutsam zu begleiten. Eine echte Gratwanderung – wie so oft im Elterndasein! An diesem Sonntag klappte das Wasserlassen auf dem Töpfchen sage und schreibe 3 Mal! Wir ließen tags drauf zum ersten mal die Windel weg.

Verpennt

Dann kam der Kita-Alltag und ich konnte das Kind jeden Tag in Wechselklamotten abholen. Ich fragte nach, was denn los gewesen sei, denn ich hatte es so empfunden, dass sie eigentlich voll dazu in der Lage war, rechtzeitig Bescheid zu geben. Als sie am Montag wieder zu Hause war, klappte es auch gleich prompt. Es stellte sich heraus, dass es wohl im Kita-Trubel und durch Missverständnisse zwischen den Erzieherinnen beim Wechsel der Vormittags- und Nachmittagsgruppen schlichtweg verpennt wurde, sie rechtzeitig zur Toilette zu begleiten bzw. beim Spiel auch mal ab und zu zu fragen, ob sie muss. Ich gebe zu, dass mich das richtig ärgerte. Wäre das einmal passiert: ok, kommt vor. Aber mehrmals!?

Da will ein Kind unbedingt auf den Topf, bloß keine Windel mehr tragen und „groß“ sein, und dann wird das in so einer sensiblen Phase vergessen – und dann bei einem Kind, dass in der Hinsicht sowieso schon extrem sensibel ist, was in der Kita auch bekannt war. Bekommt unsere Maus nicht die nötige Ruhe, hält sie auch den Stuhl manchmal tagelang ein. Ich war jedenfalls ziemlich sauer, denn die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: schon ab Mittwoch weigerte sie sich plötzlich vehement auf das Töpfchen zu gehen, und sie wollte wieder ein Windel. Diese bekam sie natürlich auch, aber was bitte war da schief gelaufen?
Dieses Verhalten, eine regelrechte Angst vor dem Töpfchen, kam definitiv nicht von ihr, denn zuvor hatte sie richtig Spaß daran gehabt. Für sie war das ein lustiges Spiel. Teilweise wollte sie sogar selbst nach ein paar Minuten noch einmal auf den Topf, dann natürlich ohne größeren, sichtbaren Erfolg, aber wir ließen sie machen, denn nur so konnte sie ja lernen, dass man nicht alle 5 Minuten „mal muss“. Und auch bei zwei Tröpfchen gilt schließlich: Was weg ist, ist weg. ;-)

Home sweet Home

Zum Glück kam dann das Wochenende, und am Montag sollte es auch für eine Woche in den Urlaub gehen. Schon am Wochenende schaffte sie es doch noch das ein oder andere Mal wieder in das Töpfchen zu machen. Am Sonntag klappte es wieder richtig gut. Ich war erleichtert. Andererseits, ein wenig mulmig war es mir angesichts der langen Zugfahrt nach Holland mit vielen Malen Umsteigen schon. Doch ich hatte mein Kind unterschätzt. Wir hatten das Töpfchen griffbereit mit dabei und sie sagte jedes Mal rechtzeitig Bescheid, sodass wir mit ihr auf die Toilette gehen konnten. Nachts war eine Windel zwar noch von Nöten, was ich aber auch vollkommen ok fand. Aber auch wenn wir unterwegs waren, meldete sie sich jedes Mal mit noch reichlich Zeit um eine öffentliche Toilette, ein Kunden-WC oder sonst eine ruhige Ecke zu suchen.

Eine sehr beeindruckende Situation hatten wir dann einen Tag, nachdem wir wieder zuhause angekommen waren, während sie in der Badewanne saß. Sie bat, ja flehte plötzlich fast schon, auf das Töpfchen gehen zu dürfen. Ich holte sie aus dem Wasser, und es klappte auf Anhieb. Das zeigte mir um so mehr, dass sie mittlerweile die Körperbeherrschung hat, denn dem Toilettendrang nicht nachzugeben, wenn das warme Wasser um einen herum plätschert, verlangt selbst einem Erwachsenen noch das ein oder andere Mal volle Konzentration ab. ;-)

„Ich kann nicht, wenn jemand guckt!“

Ein leider schon relativ „etabliertes“ Problem ist bei ihr der Stuhlgang. (Ich habe das Thema schon mal kurz erwähnt.) Ja, hier geht es jetzt um Kot, Kacka, Stinker, A-a oder wie auch immer ihr es nennt oder verniedlicht. Wer auf diesem Gebiet also zimperlich ist, sollte besser nicht weiterlesen und auch generell mein Blog meiden. ;-)

Schon als Säugling litt sie, mit Einführung der ersten Beikost, öfter an Verstopfung, obwohl wir immer (auch jetzt noch) darauf achte(te)n, ihr Stopfende Nahrung zu vermeiden und bevorzugt stuhlauflockernde Sachen und viel Wasser zu trinken anzubieten.
Das Problem erreichte teilweise solche Ausmaße, dass sie, die sowieso schon anfangs ein Schreibaby war, nun wieder aus Leibeskräften vor Bauchschmerzen schrie. Hinzu kam, dass sie Monate lang wegen einer Hüftdysplasie eine sogenannte Pavlikbandage tragen musste, die sie so fesselte, dass sie nicht in der Lage war, richtig zu strampeln. Dadurch verkrampfte sie sich natürlich und konnte und sich ihrer Last erst recht nicht entledigen. Ortswechsel oder Unruhe sind Faktoren, die das Ganze noch begünstigen. Doch wir beherzigten alle Tipps der Kinderärztin und irgendwie ging es dann doch – nicht toll, aber es funktionierte hinreichend.

Womit ich nicht gerechnet hatte, was mir nun aber doch sehr logisch erscheint, ist der Faktor „Schließmuskelkontrolle“. Seit sie weiß, dass sie Urin einhalten kann, ist es ihr vermutlich auch noch viel bewusster geworden, dass das mit Kot ebenfalls geht. Außerdem ist da ja auch schon die Sache, dass sie nun tagsüber keine Windel mehr trägt. Sie kann sich also nicht einfach mal irgendwo unauffällig verkriechen und ihr Geschäft verrichten, um danach nach einer sauberen Windel zu verlangen. Sich auf ein Töpfchen zu setzen und dort „einen Teil von sich selbst“ loszulassen, ist noch mal ein sehr großer Schritt auf in der psychischen Entwicklung eines Kindes, das hatte ich auch von der Erzieherinnen in ihrer Kita erfahren.

Teufelskreis

Da der Stuhl durch die Verstopfung natürlich auch sehr fest und das Kaliber groß ist, führte dies dazu, dass man sich schnell durch die Stuhlentleerung kleine Risse am After zuzieht, sogenannte Fissuren, die sehr schmerzhaft sein können. Diese schreckliche Situation, besonders für ein Kleinkind – führt dann erneut zum Stuhl einhalten, um die Schmerzen zu vermeiden. In Wirklichkeit ist es aber ja nur ein Herauszögern, und mit jedem Mal verschlimmert sich die Angelegenheit.

Ich weiß dies leider aus eigener Erfahrung sehr gut, denn ich selbst hatte als schon deutlich älteres Kind ebenfalls massive Probleme damit. Ein Kinderarztbesuch brachte damals allerdings rein gar nichts, außer, dass mir ein, zwei Mal ein Einlauf verpasst werden musste und ich (für mich damals) einfach nur absolut widerlich schmeckenden Dörrpflaumensaft trinken und ekliges Schwarzbrot essen musste. Das wollte ich meinem Kind in dem Alter ersparen. Allerdings wusste ich auch, dass die Situation nun schnellst möglich entschärft werden musste. Im Urlaub war es schließlich so schlimm, dass sie gerade mal noch alle 3-4 Tage Stuhlgang hatte, dabei aber immer etwas einbehielt. So stand für mich fest: nach dem Urlaub muss ich mit ihr deswegen beim Kinderarzt vorstellig werden.

Letzte Woche Donnerstag, wir hatten sie schon direkt nach dem Mittagessen aus der Kita abgeholt, weil mein Mann noch Urlaub hatte, verbrachten wir den Nachmittag auf der Terrasse. Und wie das so ist, man muss dann natürlich auch mal. Also stellte ich das Töpfchen einfach raus und sagte ihr, sie könne gehen, wann immer sie wolle. Hose und Schlüpfer bekommt sie schon alleine heruntergezogen, nur beim Anziehen muss man ihr noch ein wenig helfen. Gesagt, getan. Doch fünf Minuten später tänzelte sie wieder mit gequältem Gesichtsausdruck herum. Auch wenn sie meinte, sie müsse noch einmal „Pipi“, so war mir sofort klar: „Die muss mal Groß!“ Ich erklärte ihr das ganz ruhig und sagte lapidar, sie könne ja selbst auf das Töpfchen gehen, wenn sie muss. Es stünde ja dort auf der Terrasse. Und dann landete da doch tatsächlich ein Häufchen im Töpfchen! Auch am nächsten Morgen schaffte sie es noch zwei Mal, ihr großes Geschäft ins Töpfchen zu machen. Allerdings habe ich die Vermutung, dass sie da auf Grund ihres fiebrigen Infekts (was immer das auch war, ich weiß es nicht!) leichten Durchfall hatte, der die Sache erheblich vereinfachte und v.a. beschleunigte.

Da sie gestern dann den 4. Tag in Folge fieberte, fuhr ich mit ihr zum Arzt. Ich nutzte gleich die Gelegenheit um bezüglich ihres Kot-Einhaltens um Rat zu fragen. Ja, ich gestehe, ich hatte zuvor auch schon gegoogelt. Aber dieses Mal hatte das Internet sogar Recht und es lief auf das hinaus, was ich schon geahnt hatte. Unsere Tochter wird nun über einen längeren Zeitraum (Wochen, Monate, halbes Jahr oder sogar länger…) ein Abführmittel bekommen, dass den Stuhl mit Wasser anreichert und dadurch auflockert. Die Konsistenz wird weicher, das Kaliber kleiner und der Stuhlgang auf dieses Weise deutlich erleichtert. Es ist also kein Abführmittel im klassischen Sinne, dass die Darmtätigkeit anregt und so die Darmwände reizen oder gar schädigen kann. Da sich die mittlerweile schon ins Gedächtnis eingebrannten, schlechten Erfahrungen jedoch nicht mit wenigen Malen erfolgreichen Stuhlabsonderns in den Griff bekommen lassen, bedarf es einer längeren Phase der Deeskalation und einem schleichenden Absetzen des Mittels. Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie diese Therapie nun anschlagen wird.

Wie eine Große

Zum Schluss möchte ich euch aber noch etwas wirklich Tolles erzählen. Nachdem ich heute mit einem seit gestern Abend glücklicherweise wieder fieberfreien Fleischbärchen (und natürlich auch dem Kleinen Ajan) erneut zum Kinderarzt fahren musste, weil ich gestern die Krankenkassenkarte vergessen hatte, nutzte ich meine Bahnfahrkarte aus und fuhr noch schnell zwei Stationen weiter zu einem Einkaufszentrum, um dort diverse Alltagsartikel einzukaufen, die ich bei uns im Ort nicht bekomme. Was ich heute allerdings zuhause vergessen hatte, war das Töpfchen! Mist, was nun? Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder wieder in die Windeln pullern lassen (was ich ihr aber nicht zumuten wollte und was sie vermutlich auch gar nicht oder nur unter lautem Protest gemacht hätte) oder mit ihr auf die Erwachsenentoilette gehen.
Im Drogerieladen trat dann der Fall der Fälle ein: sie musste mal. Ich ging mit ihr also zur Kundentoilette. Dort gab es sogar einen Kindersitz fürs WC, den sie zuhause bisher allerdings strikt verweigert hatte. Was soll ich sagen… Es klappte so, als hätte sie nie woanders ihr kleines Geschäft verrichtet. Großartig! Ich war so happy, ich hätte glatt aus der Toilette heraustanzen können – konnte mich dann aber doch noch zusammenreißen. ;-P

Da es doch schon Mittag geworden war und der Kleine Ajan in der Trage unruhig wurde, beschloss ich, nicht gleich nach Hause zu fahren, sondern erst noch mit den Kinder etwas Essen zu gehen, damit ich auch den Kleinen Ajan irgendwo hinsetzen und füttern konnte. Das Fleischbärchen brauchte wie immer ziemlich lange zum Essen und so verging wieder einige Zeit. Der Kleine Ajan war nun schon im Buggy eingeschlafen, in den ich ihn umgelagert hatte, und das Fleischbärchen musste mal wieder. Nun war die Drogerie aber nicht mehr einfach so um die Ecke. Wir suchten die Toilette des Einkaufszentrums und wurden fündig. Hier gab es natürlich keinen Kinder-WC-Sitz. Also desinfizierte ich zunächst gründlich den Kloschüsselrand und hielt sie mit dem Popo über die Schüssel, während sie halb auf dem Rand saß. Und auch da dauerte es nur wenige Sekunden, und das Bächlein plätscherte. Ja, ich würde sagen, in Sachen Wasser lassen sind „die Dämme gebrochen“. ;-P Leute, watt bin ich stolz! Nun hoffe ich inständig, dass sie bald auch das große Geschäft erfolgreich und schmerzfrei verrichten kann. Und da ist es mir auch ehrlich gesagt noch völlig Schnuppe, ob in den Topf, die Toilette oder eine Windel. Hauptsache, mein Armes Kind muss nicht mehr so leiden. :-(

Falls ihr ähnliche Probleme mit dem Trockenwerden oder dem „Sich erleichtern“ bei euren Kindern habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar. Das ist ein Thema, was auch keinen Fall aus falscher Scham verschwiegen werden darf. Und wenn sie mal müssen, aber nicht können oder wollen, weil es ihnen weh tut, dann helft bitte euren Kindern so schnell wie möglich! Es gibt heutzutage einfache und gut wirksame Möglichkeiten, das Problem in den Griff zu bekommen. Kein Kind muss lange leiden!

Liebe Grüße,

Kommentar verfassen