Emotionskarussell – Wenn die (Mutter)Gefühle sich im Kreis drehen

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Allgemein, Depriphase, Leben mit Kindern
Ich hätte euch sehr gerne mal wieder leichte Kost geboten, z.B. einen Beitrag über das, was ich Mittwochs mag. Das habe ich gestern leider verpasst. Oder aber den nächsten Bericht über einen weiteren Urlaubstag. Doch dieser Blogpost ist längst überfällig. Gestern Morgen gab es den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und mich zum Schreiben veranlasste. Der Tropfen war eine Träne, denn der Abschied in der Kita war einer von der Sorte, nach dem ich am liebsten mein Kind wieder mitgenommen hätte. Sie wollte partout nicht in ihre Gruppe, sondern bei mir bleiben. Ich fühlte mich, wie die rabigste aller Rabenmütter, als mein Kind “Maaaamaaaa, Maaaamaaa!” auf dem Arm der Erzieherin flehte und die Tür sich schloss.

Seit fast 8 Monaten geht unser Fleischbärchen nun in die Kita. Der Anfang war sehr schwer – für uns alle. Die ersten Wochen, ja sogar Monate, war ich oft der Verzweiflung nahe und fragte mich ständig, ob mein doch so sensibles Kind überhaupt “der Typ” dafür sei, oder nicht zu Hause besser aufgehoben wäre. Hinzu kam, dass einen Monat zuvor ihr kleiner Bruder auf die Welt kam. Eigentlich sollte einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin die Eingewöhnung beginnen. Wir entschlossen uns, noch einen Monat zu warten, damit sie Zeit mit uns und ihrem neuen Brüderchen verbringen konnte und nicht der Eindruck entstand, dass sie jetzt abschoben oder gar ersetzt würde. Ideal war das trotzdem nicht. Ich hätte sie gerne schon ein paar Monate früher “eingewöhnt”, denn dann wäre ich nicht in der Wochenbettzeit gewesen und der zeitliche Zusammenhang zur Geburt ihres Bruders wäre überhaupt nicht da gewesen.

Vor dem Holland-Urlaub vorletzte Woche war Monate lang alles “O.K.”. Zwar wollte sie morgens regelmäßig immer noch nicht in die Kita, sondern lieber zuhause bleiben, aber wenn wir dann einmal da waren und der Papa oder ich ihr die Jacke ausgezogen und die Schuhe gewechselt hatten, rannte sie immer schon selbst los, fiel ihren Erzieherinnen um den Hals, kam dann noch mal zurück um uns zum Abschied zu umarmen, um sich dann direkt dem Spiel mit den anderen Kindern zu widmen.
Doch nun ist sie wieder einmal da, dieselbe Situation wie ganz zu Anfang. Und stellt sich mir zum wiederholten, x-ten Mal die Frage: Ist es richtig und gut, dass sie in die Kita geht?

Warum ich sie in dieser harten Anfangszeit nicht sofort wieder aus der Kita nahm, wenn mich diese Gefühle plagten? Ganz einfach, weil ich auch nur ein Mensch bin, mich von den Ratschlägen anderer beeinflussen lasse und manchmal einfach nicht weiß, was ich tun soll und was richtig oder falsch ist. Und auch, wenn die Blogparade von Alu schon lange vorbei ist, dies scheint gerade meine ganz persönliche “Geschichte vom Scheitern” zu sein.

In der Zwickmühle

Ich war hin- und hergerissen und bin es immer noch. Ich hörte viele, viele Meinungen dazu – gefragt und ungefragt.

Für eine gute Freundin und Nachbarin, die selbst vier Kinder hat, wäre die Sache klar gewesen: “Entweder weniger Stunden in der Kita, oder ganz heraus nehmen.” Sie ist der Meinung, dass Kinder bis zum Kindergarten zu ihren Müttern/Vätern gehören, solange nicht die finanzielle Existenz der Familie bedroht ist. Letzteres wäre bei uns ja nicht der Fall, da ich sowieso noch nicht wieder arbeiten gehen, sondern in Elternzeit und damit zu Hause bin.

Dann ist da noch die Familienseite meines Mannes und der Papa Pelz selbst. Er kommt aus den neuen Bundesländern, in denen auch heutzutage der Besuch einer Krippe bei den meisten Familien etwas ganz Normales ist, denn schließlich sollen Kinder auch soziale Kontakte knüpfen und lernen, wie man sich in eine Gruppe integriert.
Mein Mann sieht das ebenfalls vergleichsweise gelassen. Es macht ihn zwar auch nachdenklich, was der Grund für ihr Verhalten sein könnte, aber er ist dennoch überzeugt, dass es richtig ist, dass sie in die Kita geht.

Wen ich explizit um Rat fragte, waren die Erzieherinnen in Fleischbärchens Gruppe. Sie meinten, dass es ganz normal sei, dass sich Kinder anfangs schwer von ihren Eltern trennen können, ich mir aber keine Sorgen machen solle. Das würde sich von selbst geben und würde den Kindern auch nicht schaden. Ich bin mit unserer Kita, der Kommunikation mit den Eltern, der Atmosphäre dort und den wirklich sehr herzlichen, liebevollen Erzieherinnen im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Doch diese stecken ja quasi mit in der Situation und eine Kita ist auch immer ein Unternehmen, dass sich wirtschaftlich tragen muss. Inwieweit kann ich der Richtigkeit dieser Aussage also vertrauen? Gibt es überhaupt ein richtig oder falsch?

Irgendwo dazwischen stehe ich also, und ich weiß einfach nicht, wie ich entscheiden soll. Wenn es nach dem Papa Pelz geht, soll sie bleiben, allein schon, damit ich tagsüber mit dem Kleinen Ajan entlastet bin. Und dann denke ich mir wieder: Aber andere schaffen es doch auch! Was sind schon zwei Kinder? Andere haben drei oder vier und manche sind dabei sogar noch voll beruftstätig.
Ist eine Herzensentscheidung immer die Richtige? Muss man nicht auch mal Dinge tun, die im Moment vielleicht unbequem, aber langfristig für alle Beteiligten besser sind?

Der Faktencheck

Manchmal helfen ja Pro- und Contra-Listen. Was sind also die positiven Seiten daran, dem Fleischbärchen die Kita zu ermöglichen:

Pro Kita:
  • “Soziale Kontakte” – Sie hat schon früh einen Freundeskreis mit Gleichaltrigen und außerdem zusätzliche Bezugspersonen und ein soziales Umfeld außerhalb der Familie. Ich habe mal gelesen, dass Kindern, die schon von klein auf nicht nur eine einzige sondern mehrere enge Bezugspersonen haben, sich auch später im Leben leichter zurechtfinden. (Ob das stimmt, sei nun mal dahingestellt.)
  • “Pädagogisch wertvolle Beschäftigung” – Eine Kita bietet ganz andere Möglichkeiten. Zuhause ist auch einfach mal “nichts los”, weil ich mich um den Haushalt oder den Kleinen Ajan kümmern muss. Das muss ja auch gar nicht sein, aber Fakt ist, in der Kita wird es nie langweilig.
  • “Der Kitaplatz ist uns sicher.” – In unserem Ort war und ist es ganz und gar nicht einfach, einen Betreuungsplatz zu bekommen. Zwar haben wir viele Kitas, aber es gibt ebene auch viele Kinder. Tendenz: täglich steigend. In unserer Wunschkita war schon trotz Anmeldung 2 Tage nach der Geburt des Fleischbärchens kein Platz ab dem 2. Geburtstag zu bekommen – also zwei Jahre nach der Anmeldung! Wir mussten ausweichen. Nun geht sie in eine Kita, die ganz auf der anderen Seite des Ortes liegt. Würden wir den Platz aufgeben, und würde ich nach der Elternzeit wieder arbeiten gehen, so ginge die Suche und das Betteln erneut los. Und nicht nur das, auch der Kleine Ajan müsste ja irgendwo untergebracht werden. Bleibt sie in der Kita, bekommt ihr kleiner Bruder hingegen dort bevorzugt einen Platz. Angemeldet ist er jedenfalls schon für März 2016, wenn er 18 Monate alt ist.
  • “Zeit für die ganz normalen Erledigungen des Alltags” – Ein Haus und ein großer Garten pflegen sich nicht von alleine. Und wenn die Große da ist, wird das Ausräumen der Spülmaschine schon zur Geduldsprobe, weil sie natürlich helfen will, dies aber bei vielem allein schon auf Grund ihrer überschaubaren Bauhöhe nicht geht. Und manchmal gehen mir dann auch einfach die Ideen aus, wie ich sie in die Hausarbeit mit einbeziehen kann. Manchmal muss es auch einfach schnell gehen.
  • “Zeit für mich selbst und das Bloggen” – Zur Zeit bin ich ehrlich gesagt heilfroh, wenn die Kinder abends endlich im Bett sind. Die Große steckt voll in der Autonomiephase und macht auch sonst entwicklungstechnisch einiges durch, wie zum Beispiel das Trocken werden, über das ich vorgestern erst bloggte. Und dann kommt hinzu, dass sie schon von klein auf ihren Unmut in einer unglaublichen Lautstärke und mit einer Vehemenz zum Ausdruck bringt, dass bald die Gläser im Küchenschrank zerspringen. Besonders das Ins-Bett-Bringen ist, seit sie dem Osterhasen ihre Schnuller überlassen hat, ein Horror, und zwar für alle Familienmitglieder. Jeden Abend versuche ich erneut, gelassen und mit viel Einfühlungsvermögen an die Sache heranzugehen, weil ich weiß, dass es nichts bringt, sich darüber aufzuregen, wenn sie nicht schlafen will. Aber jedes Mal schafft sie es nach spätestens einer Stunde, dass aus der Goodmom dann doch noch die Badmom wird, die vor lauter Verzweiflung und als letzten Ausweg nun nur noch den Griff in die Konsequenzen-Kiste sieht. Eigentlich will ich gar nicht so erziehen. Ich wäre gerne die Mama, die sich in ihre Kinder hinein versetzt und zu verstehen versucht, was sie freut, wütend oder traurig macht und darauf dann entsprechend reagiert. Ja, ich weiß, da winkt die Perfektionismusfalle. Ich bin mir im Klaren, dass das nicht immer geht. Aber an solchen Abenden ist es besonders frustrierend, aufgeben zu müssen, weil man einfach keine Kraft mehr hat. Hättet ihr mich vor 2 Monaten gefragt, ob unsere “Familienplanung” abgeschlossen ist, ich hätte diese Frage klar verneint. Nun würde ich dafür zwar auch noch nicht meine Hand ins Feuer legen, aber zur Zeit würde ich nicht mal auch nur daran denken, ein weiteres Kind zu bekommen.
  • “Zeit und Ruhe für den Kleinen Ajan” – Letzterer kommt an den Wochenenden, wenn die Große zuhause ist, oft sehr kurz. Zum Glück ist er ein wirklich pflegeleichtes, fröhliches Baby, das leicht zufrieden zu stellen ist und sich auch schon mit seinen gerade mal 9 Monaten viel durch Entdeckungstouren durchs Wohnzimmer alleine beschäftigen kann. Das ist toll und wichtig, und mir ist auch klar, dass seine Erziehung nicht mehr annähernd so fokussiert ablaufen kann, wie die des ersten Kindes. Andererseits möchte ich ihm aber trotzdem auch ein Stück der ungeteilten Aufmerksamkeit schenken, die seine Schwester genossen hat. Als der kleine Bruder noch nicht da war, konnte sie sich übrigens ebenfalls problemlos bis zu eine Stunde alleine beschäftigen. ;-)

Kommen wir nun zur anderen Seite:

Contra Kita:
  • “Ein Kind gehört in den ersten Lebensjahren zur Mutter/zum Vater” – Dies ist das Argument, dass am schwerwiegendsten an meinem Gewissen nagt. Dass meine Tochter sehr sensibel ist und extrem feine Antennen für das hat, was um sie herum passiert oder sich verändert, habe ich ja bereits erzählt. Zudem habe ich gerade jetzt wieder das Gefühl, dass sie mich wieder häufiger braucht, weil sie einfach so viel Neues lernt und sie das sicherlich auch verunsichert. Wenn sie zuhause ist, klammert sie sehr. Papa ist zur Zeit out.
  • “Überfordere ich mein Kind?” – In einer Kita ist es relativ laut, und unsere Maus hasst laute Geräusche. Sie hat regelrecht Panik davor. Monatelang wollte sie von ihrem neuen Bobbycar nichts wissen, weil sie Angst vor der Hupe hatte. Sie empfand sie schlichtweg als laut und hielt sich schreiend und weinend die Ohren zu. Wie muss das dann erst in einer Kita sein? Zum Glück sind in ihrer Krippengruppe nur insg. 10 Kinder, aber auch die können sicherlich schon einen gehörigen Lärm machen.
  • “Die Kosten” – Ein Krippenplatz kostet viel, viel Geld, besonders in Niedersachsen. Bei uns kommen pro Monat für ein Kind inkl. Essensgeld über 400 Euro 450 Euro zusammen. (Nachträglich korrigiert am 03.07.15. Hab noch mal nachgeschaut. ;-))
  • “Ich gehe nicht arbeiten, wozu dann eine Betreuung?” – Andere schaffen das auch ohne. Wir hatten Thema das schon. Viel mehr ist dazu ja auch eigentlich nicht zu sagen. ;-)
  • “Mittagsschlaf – ja oder nein?” – Wir sind gerade an dem Punkt angelangt, wo wir überlegen, den Mittagsschlaf an den Wochenenden ausfallen zu lassen. Im Urlaub haben wir nämlich festgestellt, dass das zwar schwierig ist, aber es klappt. Da sie abends dann richtig müde ist, entfällt allerdings erfreulicherweise das Theater. Nun sollte sie aber noch ein weiteres Jahr in der Krippengruppe bleiben, weil die Erzieherinnen der Ansicht waren, dass sie noch nicht bereits ist, in die Elementargruppe zu wechseln. Würde sie hingegen doch im September in die große Gruppe wechseln, wäre die Übergangszeit sicher erst mal sehr hart. Deutlich mehr Kinder und dann auch noch kein Mittagsschlaf. Schließlich ist das Wachbleiben im Urlaub mit Mama und Papa immer noch war anderes als im Kindergartenalltag. Wäre sie zuhause, hätte sich dieses Problem erledigt. Sie würde einfach wach bleiben und abends früher ins Bett gehen.
  • “Personalwechsel in der Kita” – Eine Situation, die für uns gefühlt die Karten völlig neu gemischt hat, ist die Kündigung einer ihrer beiden Erzieherinnen. Das Fleischbärchen mag beide wirklich sehr gern, aber geht nun die eine weg (sie hat eine Stelle in Dubai ergattert, die ich ihr auch von Herzen gönne), muss sie sich erst einmal wieder an eine neue Person gewöhnen, um dann ein Jahr drauf noch einmal einen Wechsel in eine völlig andere Umgebung mit komplett neuen Erziehern durchzumachen. Wir hatten jetzt erst letzte Woche die Situation, dass besagte Erzieherin im Urlaub war. Eine Praktikantin half stattdessen aus, und unsere Maus hatte furchtbare Angst vor ihr. Sogar, wenn der Papa sie morgens zur Kita brachte, gab es viele Tränen.

“Hast du Luxusprobleme, oder was?”

Ganz ehrlich? Wenn man es so sehen will, ja, die habe ich wohl!
Manchmal wünschte ich, ich müsste einfach arbeiten gehen. Dann würde sich diese Frage nach “Soll das Kind in die Kita oder nicht” überhaupt nicht stellen. Dann wäre das einfach so und fertig. Und nebenbei gäbe es für die Arbeit, die ich mache, auch noch eine monetäre Anerkennung, denn auch, wenn dieses Vorurteil in unserer heutigen Zeit immer noch sehr verbreitet ist, ich sitze nicht nur den ganze Tag zuhause oder im Café und trinke Latte Macchiato.

Natürlich würde die Arbeitswelt da draußen auch wieder andere, teils sogar größere Probleme mit sich bringen (#Vereinbarkeit ist ja grad in aller Munde bzw. Blogs). Aber ich müsste mir nicht vorwerfen lassen, dass Kind unnötig abzuschieben. Es wäre nicht meine freie Entscheidung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Andererseits war für mich immer klar, dass ich mindestens das erste Jahr nach der Geburt auf jeden Fall zuhause bleiben werden, und genau in diesem Jahr befinde ich mich auch noch.

Ich habe lange gezögert, überhaupt über dieses Thema zu schreiben, weil ich auch ein wenig Angst vor den negativen Reaktionen habe. “Die Frau sollte sich mal andere Lebenssituationen ansehen. Die, mit ihrer tollen kleinen Familie, ihrem schönen Haus und Garten, hat einfach nicht das Recht so zu jammern!” Aber es belastet mich zur Zeit einfach so sehr, dass ich oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Es hängen eben auch so viele Faktoren damit zusammen bzw. davon ab.

Als Mutter (und Vater) trifft man tagtäglich so unglaublich viele, oft auch nur unwichtige Entscheidungen, aber man ist ständig gefragt und gefordert. Es gibt keinen Urlaub. Nie! Selbst wenn die Kinder schlafen, bist du immer auf Abruf. Selbst, wenn du mit einer Freundin abends ins Kino gehst und der Papa sich zuhause kümmert (und er kümmert sich wirklich sehr und hilft, wo er nur kann!), so kann es immer vorkommen, dass du doch noch mitten im Film nach Hause musste, weil eines der Kinder sich z.B. nicht beruhigen lässt und ausschließlich nach Mama verlangt. Zur Zeit haben wir wieder solch eine ganz intensive Phase. Wie gerne würde ich einfach nur mal wieder jemanden um Rat fragen und ein Rezept befolgen. Für Kinder gibt es keine Rezepte, und genau das lastet auf meinen Schultern wie ein tonnenschwerer Felsbrocken. Noch kann ich ihn stemmen, aber wenn ich nicht aufpasse, breche ich irgendwann unter der Last zusammen.

Und nun? Lösungsansätze – oder zumindest ein Versuch

Ich sage es gleich, ich weiß nicht, auf welche Klippe wir da zusteuern, oder ob wir bald wieder aus dem Nebel herausfinden. Ich habe nur eine dumpfe Ahnung. Müsste ich ganz impulsiv nur nach meinem Gefühl entscheiden und würde ich alle Bedenken über die Zukunft außer Acht lassen, ich würde sie direkt abmelden.
Einen Versuch, auf den ich es jetzt erst einmal ankommen lassen will, ist eine Reduzierung der Betreuungsstunden. Finanziell wird uns das nebenbei bemerkt gar nichts bringen. Derzeit hole ich sie erst nachmittags nach dem Snack ab, wenn der Kleine Ajan seinen Mittagsschlaf gemacht hat. Selbst wenn ich sie schon Mittags abholen würde, müssten wir immer noch den Höchstbetrag zahlen. Die emotionale Situation mal gedanklich beiseite geschoben: finanziell ist das schon irgendwie ein bisschen gemein. Und dann ist da auch noch die Hin- und Rückfahrt. Insgesamt kommen da pro Tag mit An- und Ausziehen und der reinen Fahrzeit zusammengerechnet über eine Stunde heraus. Würde ich sie also jeden Tag nach dem Mittagessen abholen, wäre alles stressiger, als wenn sie gleich zuhause bleiben würde. Auf jeden Fall habe ich mir jetzt vorgenommen, sie zumindest an 2 Tage in der Woche schon vor dem Mittagsschlaf abzuholen. Ja, dafür muss ich definitiv meine Prioritäten anders setzen. Da ist definitiv noch viel Spiel, denn ich gestehe, Zeitmanagement ist nicht meine große Stärke. Ein wöchentlicher Haushaltsplan wäre z.B. ein Anfang.
Außerdem werden wir noch einmal das Gespräch mit den Erzieherinnen suchen. Kommende Woche Donnerstag haben wir bereits einen Termin. Mal sehen, wie sich die Geschichte dann entwickeln wird. Gescheitert ist sie für mich zwar schon, aber ich habe ich die Hoffnung auf ein Happy End – wie immer das auch aussehen mag – trotz allem noch nicht aufgegeben.

Liebe Grüße,

Nachtrag: Mittlerweile hat auch der Papa Pelz aufgeschrieben, was er darüber fühlt und denkt.

9 Kommentare

  1. Wir sind gerade bei der Eingewöhnung und ich erkenne mich in vielen Deiner Gedanken wieder. Und dann ist unsere Situation doch wieder irgendwie anders.
    Und genau das ist es. Es gibt keinen guten Ratschlag von außen, der zu euch passt. Es gibt nur eure Situation, euer Gefühl und eure Beobachtung, wie es eurer Kleinen dabei geht.
    Ich versuche mich reinzuversetzen und sehe noch eine weiter Option: Noch mal Eingewöhnen. Ich bin ja Vertreter der “sanften Ablösung”, bei der das Kind entscheidet, wann es soweit ist, loszulassen. Diesen Begriff hat Dr. Rüdiger Post geprägt und man findet unter dem Stichwort sehr viel in seinem Forum bei rund-ums-baby.de. Leider lebt er nicht mehr, aber das Archiv bietet viele Antworten.
    Vielleicht kannst Du einfach noch mal da sein, nicht weggehen, irgendwo in der Nähe sitzen, so dass sie immer zu Dir kann? In dem Alter ist das Spiel zwischen Urvertrauen/Bindung und Loslösung/Autonomie ja noch voll im Gange.
    Ansonsten hoffe ich, dass ihr euren Weg findet, denn so “Bauchweh” zu haben, ist auf Dauer ja auch für die ganze Familie nichts. Und das wird auch Deine Tochter spüren.
    Liebe Grüße
    Julia

  2. Hallo! Ich hoffe, du nimmst auch kritische Kommentare wohlwollend auf- denn ich habe wirklich eine eindeutige Meinung zu Kindern in Kitas, bei denen ein Elternteil Zuhause ist. Ich arbeite selber bei einem großen Anbieter für verschiedene Kinderbetreuungseinrichtungen und berate/vermittle Eltern. Grundsätzlich ist es ja so, dass der Staat/Gemeinde/Stadt jeden Betreuungsplatz subventionieren muss (auch in priv. Einrichtungen). Auch wenn die Elternbeiträge meistens als zu hoch betrachtet werden- ohne Förderungen von der öffentlichen Hand kann keine Einrichtung überleben, geschweige denn wünschenswerte höhere Gehälter für Pädagogen zahlen (!). Das System funktioniert also nur durch Steuergelder- die arbeitende Eltern ja auch zahlen (und alle anderen Mitglieder der Solidargemeinschaft). Die Realität zeigt, dass es viel zu wenig Betreuungsplätze gibt… Eltern die also einen Kitaplatz in Anspruch nehmen, um sich eine private Auszeit vom Kind zu nehmen (den Wunsch nach Auszeit finde ich sehr nachvollziehbar!!!) nutzen dafür aber ein System, dass nicht dazu ausgelegt ist. Konsequenterweise müssten diese Eltern privat nach einem Babysitter suchen und diesen auch privat zahlen ( ohne öffentlich Förderung) und keinen Platz in geförderten Einrichtungen belegen, der anderen Eltern die Möglichkeit geben würde arbeiten zu gehen. Und wenn ich mich so umschaue/ umhöre, dann gibt es sicher in jeder Gruppe min 2 Plätze, die so blockiert werden…. Jeder muss natürlich für sich selber überlegen, wie er die Solidargemeinschaft (aus-)nutzt. Aber auf der einen Seite für mehr (auch monetäre) Wertschätzung für Pädagogen sein und auf der anderen Seite selber dagegen zu arbeiten ist sehr inkonsequent und auch egoistisch. Wie gesagt, ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Mütter mit einem kleinen Geschwisterkind zuhause Auszeiten brauchen, aber dafür ist ganz definitiv nicht der Staat zuständig. Und das Sozialverhalten- Erlernen ist bei einem Kind U3 mit einem Geschwisterkind auch kein Argument, sondern eine schwache Ausrede. Viele Grüße, D

  3. Hallo Anonym,
    schade, dass du dich nicht zu erkennen gibst ;-) Ich nehme sehr gerne Kritik an, wenn sie, wie in deinem Fall, konstruktiv ist, möchte darauf aber natürlich auch eingehen.
    Deine Einstellung kann ich im Großen und Ganzen nachvollziehen, und doch muss ich dir in manchem freundlich widersprechen. Vielleicht habe ich mich hier und da auch nicht deutlich genug ausgedrückt.
    Zur finanziellen Seite… Wie schon erwähnt, zahlen wir den Höchstbetrag und nehmen damit effektiv die niedrigste Subvention in Anspruch. Außerdem beteiligen wir uns regelmäßig an ehrenamtlichen Aktionen (Gartentag, Kuchenverkauf etc.) und mit Spenden. Diesen Punkt kann ich also nicht so einfach auf uns sitzen lassen. Der Grund, warum ich die Finanzen in die Liste mit aufgenommen hatte, war auch nicht als Kritik an zu(!) hohen Kosten gemeint, sondern lediglich als Stichpunkt und Fakt. 450€ sind nun mal 450€. Die könnte man auch gut anderweitig Nutzen ;-)
    Was aber mein Hauptknackpunkt an der Sache ist, klar könnte ich unser Kind nun aus der Krippe nehmen, damit ein anderes Kind von 2 berufstätigen Eltern den Platz bekommt. Allerdings hätte ich dann in einem Jahr ein noch viel größeres Problem, weil ich 2 Kinder gleichzeitig unterbringen und eingewöhnen müsste, eines in der Elementargruppe und eines in der Krippe. Das ist nicht nur logistisch schwierig. Nehme ich jetzt mein Kind aus der Krippe, kann ich den beruflichen Wiedereinstieg die nächsten Jahre auf Eis legen, wahrscheinlich sogar bis zur Schule. Wir stehen hier nicht nur vor einer Herzensentscheidung, sondern vor einer, die meine komplette berufliche Zukunft beeinflussen wird. Du kannst mir glauben, dass ich es mir nicht leicht mache.
    Es ist hier leider wirklich so. Wer nicht von Geburt an sein Kind irgendwo angemeldet hat und schnellstmöglich unterbringt und dann auch entsprechend zahlt, kann die ersten Jahre zuhause bleiben und hat es mit dem Wiedereinstieg um so schwerer. Ich habe vor 3 Tagen erst ein sehr interessantes Gespräch diesbezüglich zwischen zwei ebenfalls noch nicht wieder berufstätigen Müttern mitbekommen, als ich nachmittags auf meine Tochter wartete. Gleiche Situation: kleineres Geschwisterkind. Ich bin mit diesem Problem also nicht allein.
    Da wäre die Politik gefragt. Es kann einfach nicht angehen, dass solch ein Thema auf die Eltern abgewälzt wird, egal ob schon berufstätig oder noch in Elternzeit! Das Versprechen, dass jedem Kind (egal ob mit berufstätigen Eltern oder nicht!) ein Kitaplatz zusteht, ist bisher eine leere Hülle. Das Argument, das Kitas für die Entwicklung gut sind, stammt übrigens nicht von mir, sondern wird regelmäßig von Politik und Medien so propagiert. Es war nicht als “faule Ausrede” sondern als ein (relativ kleines) Argument von vielen in meiner Auflistung gemeint.
    Vielen Dank für deinen Kommentar und den Denkanstoß! :-)
    Liebe Grüße, Anne

  4. Hallo Julia,
    herzlichen Dank für deine aufmunternden Worte. Das mit der erneuten Eingewöhnung ist eine Idee auf die ich bisher noch gar nicht gekommen bin. Allerdings wird sie vermutlich an der üblichen Praxis in unserer Kita scheitern. Selbst nach unserer ersten offiziellen Eingewöhnung hat es noch Monate gedauert, bis es morgens keine Tränen mehr gab. Und jedes Mal, wenn sie nun ein paar Tage nicht mehr in der Kita war (Urlaub, Krankheit, manchmal sogar nach einem Wochenende), geht alles wieder von vorne los. Ich werde das aber trotz allem noch mal bei unserem Termin kommende Woche vorschlagen bzw. mal nachfragen, was die Erzieherinnen davon halten ;-)
    Vielen Dank dafür und liebe Grüße, Anne

  5. Liebe Anne,
    da triffst Du bei mir ins Schwarze. Meine Tochter (3,5) ist seit 1,5 Jahren bei der Tagesmutter (nur ein weiteres Kind) und kommt jetzt im August in den Kindergarten. Auch ihr ist schnell alles zuviel, zu laut, sie ist überfordert. Sie braucht ewig, um sich von mir zu lösen, um warm zu werden, und auch dann ist es schwierig. Sie ist wie ich: In Zweierkonstellationen fühlt sie sich wohl, aber nicht so in großen Gruppen. Einer seits freut sie sich auf den Kindergarten, fügt aber direkt hinzu: “Aber nicht alleine!”. Ich mache mir Sorgen, ob und wie sie es dort schafft, sich zurückzuziehen, wenn es ihr zuviel wird. Denn einen Raum, in dem sie dann alleine wäre oder der ganz ruhig ist, gibt es nicht. Auch im Schlafraum wird (außerhalb der Mittagsschlafzeit) gespielt.

    Zu allem kommt noch hinzu, dass mein Baby bei der Eingewöhnung dabei ist. Was soll ich denn auch sonst mit der kleinen Schwester machen? Abgeben geht noch nicht, selbst zu engen Bezugspersonen nicht, wie wir im Urlaub festgestellt haben. Also jedenfalls nicht, wenn sie mit der anderen Person dann alleine, ohne uns Mama/Papa, ist. Ich weiß überhaupt nicht, wie das werden soll.

    Die Erzieherin meinte, vielleicht gar nicht so schlecht mit dem Geschwisterkind, dann würde die Große sehen, dass bei mir eh nicht so viel zu holen ist, und eher Kontakt zur Erzieherin suchen. Aber so pragmatisch sind doch Kinderseelen nicht. Also jedenfalls nicht die meiner Tochter.

    Liebe Grüße
    Mo

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