Urlaubsvorbereitungen: Bahnfahren mit Kindern

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Wir haben es getan. Wir haben tatsächlich Urlaub gebucht. Auf die aller-, allerletzte Minute. Am 15.06., also bereits in anderthalb Wochen, geht es für eine Woche in einen Ferienpark in die Niederlande. Ich bin schon total aufgeregt. Das ist unser erster Urlaub seit August 2013 und der erste mit zwei Kindern. Beim Gedanken daran, flattern mir Schmetterlinge durch den Bauch. Juhuuu, endlich mal wieder rauskommen und was anderes sehen, als das tägliche Einerlei! Aber beim Gedanken daran, was noch alles zu organisieren ist, wird mir dann fast schon wieder ein wenig flau. Tausend Fragen schwirren mir durch den Kopf. Und genau deshalb werde ich hier eine kleine Blogreihe über unsere ganz persönlichen, wichtigsten Urlaubsvorbereitungen schreiben. Vielleicht könnt ihr ja davon sogar das ein oder andere für euch selbst mitnehmen. Nun aber schnell zu meinem ersten Thema. Viel Spaß beim Lesen!

Husch, husch, husch, die Eisenbahn,

wer will mit nach Holland fahr’n?

Da wir kein Auto haben und ein Flugreise für uns nicht in Frage kam, haben wir nur die Alternativen „Mietwagen“ oder „Bahn und Bus“. Wir haben uns nach reiflicher Überlegung für letzteres entschieden: Wir reisen mit dem Zug! Die/der ein oder andere fragt sich jetzt sicherlich: wird das nicht ein Riesenstress? Sich einfach ins Auto setzen und losfahren ist doch super bequem, oder etwa nicht?

Bisher sind wir damit im wahrsten Sinne des Wortes am besten gefahren. Ok, bisher waren wir mit den Kindern auch nicht im Ausland unterwegs. Ich kann also nur für Bahnfahrten in Deutschland sprechen. Aber die paar Autofahrten, die wir bisher mit den Kindern unternommen haben, waren der Horror! Die Kids sind es nicht gewohnt, festgegurtet am gleichen Fleck zu sitzen, sich kaum bewegen zu können und auf Grund ihrer noch überschaubaren Bauhöhe und der Art der Kindersitze nicht mal aus dem Fenster gucken zu können. Es gab viel Geschrei und Tränen. In der Bahn kann man mit dem Fleischbärchen auch einfach mal eine Runde herumlaufen, den Zug erkunden, andere Leute beobachten, und man kann am Tisch sitzen und malen, Bücher lesen, Essen, Kniereiter spielen, Singen uvm… Damit man die Zugreise richtig genießen kann, gibt es aber einige wichtige Vorraussetzung.

Die (richtige) Reservierung

Ich würde bei Bahnreisen mit Kindern in Fernverkehrszügen immer empfehlen, vorab Sitzplätze zu reservieren. Als kinderloses Pärchen kann man sich notfalls auch noch irgendwo mit dazuquetschen und getrennt sitzen. Aber nichts ist beim Bahnfahren so entnervend, wenn Kinder stundenlang irgendwo auf dem Boden in einer Ecke kauern müssen, weil man keinen Sitzplatz bekommen hat, oder wenn eine Familie getrennt wird. Auch für die anderen Bahnreisenden ist das unschön. Auf deren Mitgefühl kann man sich jedenfalls nicht verlassen. Juna im Netz und Andrea von Runzelfüßchen zum Beispiel haben auf ihren Blogs darüber echt Haarsträubendes zu berichten. Unglaublich, wie empathielos manche Menschen sein können, aber das nur am Rande. Ich schweife ab! ;-) Wenn ihr harmoniebedürftig wie ich seid, ist es wirklich das Beste, ihr versucht solche Situationen zu vermeiden.

Klar, bei ganz kurzfristigen Fahrten ist eine Reservierung oft nicht mehr möglich. Aber wenn ihr kleine Kinder habt, bucht möglichst Sitzplätze im Kleinkindabteil. Auch darüber hat Andrea von Runzelfüßchen einen tollen Beitrag mit vielen Fotos geschrieben. Hier ist man unter sich bzw. unter Familien mit anderen Kindern, und keiner der kinderlosen Fahrgäste fühlt sich gestört, wenns mal etwas lauter zugeht oder man Stillen muss. Ich habe meine Kinder zwar wirklich überall gestillt, wenn es sein musste auch in der Hamburger S-Bahn zu Rushhour, aber es gibt eben immer noch Leute, die sich dadurch gestört fühlen! Leider! Aber ich schweife schon wieder ab… :-D

Ein wenig verzwickt kann es im Kleinkindabteil mit dem Gepäck und insbesonders mit Kinderwagen werden. Manchmal ist das Kleinkindabteil nämlich nichts weiter als ein 6-Personen-Abteil, dass für Familien mit Kindern bestimmt ist. Nur wohin mit den ganze Klamotten?

Damit das Gepäck nicht zum Balast wird

Reisetaschen und kleinere Koffer könnt ihr über den Sitzen in der Gepäckablage verstauen. Große Koffer, Kinderwagen und sperrigere Buggys kann man in der meist direkt angrenzenden 1. Klasse auf dafür vorgesehenen Stellplätze bzw. in Gepäckregalen unterbringen. Allerdings habt ihr diese dann nicht immer im Blick. Ein Kind auf dem Arm oder noch quengelnd im Wagen sitzen zu haben und dabei erst mal alles einzupacken, was ihr im Abteil braucht, strapaziert die Nerven unnötig. Wertsachen, Dinge, die euch lieb und teuer sind, oder die ihr während der Fahrt braucht, solltet ihr also vorab gleich so verstauen, dass ihr sie einfach nur in (möglichst) einer fertig gepackten Tasche aus dem Kinderwagen ins Abteil mitnehmen könnt.

 

Und auch zuhause sollte ihr euch schon ernsthaft Gedanken darüber machen, was ihr wirklich braucht. Muss es unbedingt der 3. Ersatzanorak sein? Kann das aufblasbare Krokodil nicht doch zuhause bleiben? Auch wenn man im Urlaub ja eigentlich besseres zu tun hat, aber eine Unterkunft mit Waschmaschine ist Gold wert, spart Kräfte und schont Rücken und Nerven.

Wer auf große, sperrige Koffer trotzdem nicht verzichten kann, sollte sich erkundigen, ob es auch eine Möglichkeit gibt, diese per Post (DHL, Hermes usw…) zum Urlaubsort vorauszuschicken. Das hat gleich mehrere Vorteile:

  • Das wichtigste Argument: Ihr braucht das Gepäck nicht zu schleppen und könnt es auch nicht irgendwo am Bahnhof aus Versehen stehen lassen. Einige Paket-/Logistikunternehmen bieten übrigens einen Abholservice an. So könnt ihr euch sogar den Weg zu Filiale sparen.
  • Ihr plant dadurch im Voraus. Ich bin jemand, der gern etwas „auf’s letzte Knäppchen“ erledigt. Das hat dann meist zur Folge, dass ich am Morgen der Abreise dann verzweifelt versuche, noch etwas in den schon längst vollen Koffer zu stopfen. Das geht nicht, wenn ihr das Gepäck schon ein paar Tage zuvor losschicken müsst. Der Tag der Abreise ist dadurch deutlich stressfreier.
  • Schickt ihr das Gepäck voraus, habt ihr gewissermaßen eine „zweite Chance“. Sollte euch, wenn das Gepäck bereits auf Reisen ist, doch noch etwas Wichtiges einfallen, das unbedingt mit muss: kein Problem. Ihr könnt es notfalls noch im Handgepäck irgendwie unterbekommen.

So bleibt das Urlaubsfeeling nicht auf der Strecke

Natürlich kann auch bei der anfänglich entspanntesten Zugfahrt noch etwas schief gehen. Aber das ist dann auch nicht anders, als bei einer Autofahrt. Auch hier gibt es unvorhersehbare Staus, die einen u.U. Stunden kosten und die Nerven gehörig strapazieren können. Vor Verspätungen der Bahn ist man nicht gefeit, aber man kann auch hier etwas selbst dazu beitragen, dass es im Fall der Fälle trotzdem noch entspannt zugeht.

Solltet ihr nicht am Startbahnhof des Zuges einsteigen, sondern dieser schon zuvor eine Weile unterwegs sein, checkt den Live-Fahrplan im Internet, bevor es überhaupt losgeht. Womöglich hat euer Zug bereits Verspätung und das Erreichen eines Anschlusszug ist dadurch bereits unmöglich. Wer das frühzeitig weiß, kann manchmal noch umplanen.

Außerdem solltet ihr in Zeiten von Lokführerstreiks auch immer ein wenig die Nachrichten verfolgen. Im Normalfall gibt es nämlich genug Alternativen, weil nicht alle Lokführer in der Gewerkschaft sind. Man muss nur wissen, welche Züge ausfallen und welche noch fahren.

Selbst, wenn die Bahn mal Verspätung hat, die eigene Pünktlichkeit ist eine Grundvorraussetzung für stressfreies Bahnfahren. Wer lieber noch 10 Minute Wartezeit auf dem Bahnsteig in Kauf nimmt, spart sich unnötige Rennerei. Und wenn der Aufzug oder die Bahn sich mal wieder urplötzlich überlegt, kurz vor der Abfahrt noch das Abfahrtgleis zu wechseln, kann der Zug weg und der nächste Anschluss damit ebenfalls hin sein. Da beginnt der Ärger schon, bevor die Reise überhaupt begonnen hat.

Wenn ihr dann rechtzeitig auf dem Bahnsteig steht, könnt ihr euch gleich am Wagenstandsanzeiger (das ist eine Tafel, die sich meist neben oder an der Rückseite des Fahrplans befindet) heraussuchen, an welchem Gleisabschnitt der Wagen mit euren reservierten Sitzplätzen sich befinden wird. Das spart ebenfalls noch mal Rennerei.

Umsteigezeiten planen wir grundsätzlich sehr großzügig, denn das ist der stressigste Part am Bahnfahren mit Kindern. Da darf gerne auch mal eine volle Stunde Pause zwischen zwei Streckenabschnitte liegen, in der man dann, falls die Züge doch pünktlich sein sollten, auch schnell mal einen Happen im Bahnhof essen gehen kann. Als wir noch keine Kinder hatten, sind wir einmal mit dem Quer-durchs-Land-Ticket von Hamburg bis nach Süddeutschland gefahren – alles nur mit Regionalzügen. In Würzburg hatten wir dabei einen Aufenthalt von einer 3/4h. Das Wetter war super und wir sind einfach in der Innenstadt schnell ein Eis essen gegangen. Und das ist genau das Tolle daran. Klar erscheint einem erst mal die Fahrzeit länger, wenn man auf seinen Reiseplan schaut. Aber im Endeffekt kommt man viel entspannter ans Ziel und hat dadurch gefühlt gar nicht so viel Zeit im Zug verbracht. Der Urlaub fängt bereits mit der Bahnfahrt an. Bei einer langen Autofahrt würdet ihr ja schließlich auch eine Tank- und Pipipause an der Raststätte einkalkulieren.

Fazit

Es wird ja viel darüber gemeckert, dass die Bahn, ständig Verspätung hat. Aber seien wir doch mal ehrlich: das Auto ist da auch nicht das Non plus ultra. Immerhin können sich bei einer Bahnreise alle auf andere Dinge konzentrieren, als nur auf den Straßenverkehr. Gleichberechtigtes Reisen, sozusagen! ;-)
Auch das Gejammere „Bahnfahren ist ja sooo teuer!“ kann ich nicht bestätigen. Ja, ein regulär gebuchtes Ticket ist schweineteuer. Aber es gibt Bahncards, und eine Bahncard 25 ist sogar mit Sparpreisen kombinierbar. Zack, fährt man mit der Bahn plötzlich sogar deutlich günstiger als mit einem Auto. (Nein, dass ich kein gesponserter Beitrag!) Sollte es gar keine günstigen Tickets mehr geben, kann man immer noch auf das Auto ausweichen.
Natürlich kostet es ein wenig Planung im Voraus und etwas mehr Reisezeit, aber man gewinnt dadurch im Schnitt auch viel wertvolle Lebenszeit. Wie sagte Konfuzius sinngemäß schon vor 2500 Jahren? „Der Weg ist das Ziel.“ ;-P Und sollte man doch trotz sorgfältiger Planung auf Grund von unvorhersehbaren Verspätungen irgendwo stranden, dann nehme ich mir den Satz meiner Hebamme zu Herzen: „Mach mal Ommm!“

Wie reist ihr am liebsten mit euren Kindern? Straße, Schiene oder vielleicht sogar über den Wolken? Hinterlasst mir doch einen Kommentar oder bloggt selbst darüber. Ich verlinke euren Beitrag dann auch gerne hier unter diesem Blogpost. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ihr eure persönlichen Erfahrungen mit meinen Lesern und mir teilt!
Liebe Grüße,

PS: Kommende Woche erscheint dann hier übrigens der nächste Beitrag meiner Blogreihe über biometrische Bilder für den Kinderreisepass.

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